Was für eine Körperbeherrschung. Was für dämliche Kommentare auf Facebook.

https://www.facebook.com/chalany/videos/709642549092544/

Ich bin ein Anti-Bremser

Historische Luer-Lock-Spritze, Glas und Metall, zerlegbar. Foto: Stefan Bellini, CC0, via Wikimedia Commons
Historische Luer-Lock-Spritze, Glas und Metall, zerlegbar. Foto: Stefan Bellini, CC0, via Wikimedia Commons

(Übersetzung des Blogs “I’m an Anti-Braker” von Robert Moore Jr.)

Leute, ich wollte Euch über eine persönliche Entscheidung informieren, die ich kürzlich traf. Ich will wirklich nicht darüber diskutieren, wollte aber hier meinen Standpunkt klar machen. Bitte seid respektvoll. Das ist ein wirklich langer Beitrag, bitte lest ihn vollständig.

Ich werde die Bremsen aus meinem Auto entfernen. Das ist keine unüberlegte Entscheidung, also hört zu.

Vor ein paar Wochen sah ich einen Autounfall – zwei Leute fuhren zur gleichen Zeit über eine Kreuzung. Beide traten gleichzeitig auf die Bremse und stießen zusammen. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt.

Aber plötzlich wurde mir eines klar – wenn sie die Kreuzung einfach überquert hätten, wären sie nicht zusammengestoßen. Die Bremsen haben den Unfall VERURSACHT!

Deshalb beschloss ich, eigene Nachforschungen anzustellen und was ich herausfand war *erschütternd*: Hunderte Menschen werden jedes Jahr wegen unnötigen Bremsens ernsthaft verletzt. Einmal fuhr ich bei Schnee und trat nur leicht auf die Bremse und so VERLOR ICH VOLLSTÄNDIG DIE KONTROLLE über mein Auto. Meine Bremsen hätten mich leicht töten können. Noch erstaunlicher ist, wie oft Bremsen die Bremsscheiben verziehen und verbiegen, was zu unregelmäßiger Fahrt und quietschenden Rädern führt.

Und weißt Du was? Ich habe herausgefunden, dass vor Jahrzehnten Bremsen überhaupt nicht benutzt wurden! Die Leute kontrollierten die Geschwindigkeit ihrer Fahrzeuge durch Herunterschalten oder Motorbremsen. Vielleicht ist es nur ein zufälliges Zusammentreffen, aber zu Zeiten, als die Motorbremse verwendet wurde, gab es fast keine Autounfälle. Damals wurden Autounfälle NIEMALS durch Bremsen verursacht.

Nachdem ich ein wenig tiefer gegraben hatte, stieß ich auf eine ruchlose Verschwörung – Mechaniker: Genau die Leute, denen wir vertrauen, wenn sie an unseren Autos arbeiten und sich um unsere Autos kümmern – werden BEZAHLT um Bremsen einzubauen und zu verändern! Du GLAUBST vielleicht, dass sie sich um unsere und die Sicherheit unserer Autos kümmern – aber sie tun es schlicht für die $49,99 Bremsbelaginstallationen.

Also wies ich meinen Mechaniker an, die Bremsen aus meinem Auto zu entfernen und ich war angewidert, wie schlecht er mich behandelte. Er beschuldigte mich der Ignoranz als ich darlegte, wie viel Drehmoment Bremsen in ihre Bremsscheiben einbringen. Er wusste nicht einmal, wie viel Drehmoment eine Bremsscheibe aufnehmen kann, bevor sie verbiegt!!! Er sagte “Bremsscheiben sind so entworfen, dass sie zusammengepresst werden, das ist nicht das tatsächliche Problem” und lehnte mich vollständig ab.

Dann hatte er die NERVEN mir zu sagen, dass meine persönliche Entscheidung Konsequenzen haben würde, da ich jedermann um mich herum gefährden würde. Das war’s dann für mich, ich suche mir einen neuen Mechaniker. Das Problem  ist, dass so viele Mechaniker gekauft sind und von der Automobilindustrie bezahlt werden, dass ALLE darauf beharren, dass mein Auto Bremsen haben müsste. Die meisten sehen sich mein Auto gar nicht wegen andere Dinge an, weil sie behaupten, dass ein bremsenloses Auto ihrem Geschäft und anderen Autos schaden könnte. Was für ein Haufen Mist, sie mögen einfach die nicht, die an alternative Bremstechniken glauben.

Nun schaltet sich natürlich die großartige Regierung ein und sagt ich *MÜSSTE* Bremsen verwenden. Dass es nicht nur um mich ginge und dass ich anderen Menschen schaden könnte. Wo bleibt der persönliche Entscheidungsspielraum? Wo bleibt die Freiheit?

Alles was ich vorschlage ist, prüfe es selbst nach. Höre nicht auf den TÜV und den ADAC und die großen Automobilkonzerne. Ich traf eine persönliche Entscheidung für meine Familie; wir sagen einfach Nein zu Bremsen. Wir benutzen natürliche Mittel, wie die Gravitation und stemmen unsere Füße auf die Erde um anzuhalten. Außerdem: was für mich als Kind auf dem Fahrrad gut war, sollte gut genug für meine Kinder in meinem Auto sein.

Bitte bleibt bei Euren Kommentaren respektvoll!

Haftungsausschluss: Ich bin kein Mechaniker und kann nicht als ausreichende Quelle für Informationen in Autofragen herangezogen werden.

Mein Plan für die #Wikimania 2014 in London

Teilnehmer der Eröffnungszeremonie der 9. Wikimania in Hongkong. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-3.0
Teilnehmer der Eröffnungszeremonie der 9. Wikimania in Hongkong. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-3.0

Einmal jährlich findet irgendwo in der Welt die Wikimania statt.

Wikimania ist eine Konferenz, ein Festival, ein Treffpunkt, ein Workshop, ein “Hackathon” und eine Party mit mehr als 2.000 Teilnehmern, verteilt auf fünf Tage im August 2014.

Wikimania ist das offizielle Jahresereignis der Wikimedia-Bewegung. Du kannst hier alle möglichen Projekte kennen lernen, die mit Wikis und Freien Inhalten erstellt werden, und du kannst die Gemeinschaft kennen lernen, die das bekannteste aller Wikis geschaffen hat, Wikipedia! 1

Die ersten Wikimania fand 2005 in Frankfurt am Main statt und ich war dabei! Die folgenden ließ ich aus, aber ab 2011 war ich als Präsidiumsmitglied von Wikimedia Deutschland wieder zu Gast in Haifa (Israel), Washington (USA), Hongkong (China) und in diesem Jahr in London (Vereinigtes Königreich).

Zur diesjährigen Wikimania gibt es ein Extrablatt des Wikipedia Kuriers. Lesenswert!

Inzwischen wurde das Konferenzprogramm veröffentlicht und ich habe mir einen groben Plan zurecht gebastelt:

Freitag, 8. August 2014

10:00 How I Wrote an Article for Another Encyclopedia, and How It Compares to Wikipedia

Worum geht es? Ein Bericht eines erfahrenen Wikipedianers in einer anderen, “geschlossenen” Enzyklopädie.

Warum will ich da hin? Wegen des Vergleichs der offenen Arbeitsweise mit der geschlossenen. Als Wikipedianer ist man die offene Arbeitsweise gewöhnt, aber für Menschen ohne Wikipedia-Hintergrund ist das nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln.

10:30 Common Knowledge? An Ethnography of Wikipedia (On Trust, Distrust, Betrayal and Loyalty)

Worum geht es? Über den Wert von Vertrauen in der Zusammenarbeit von Wikipedianern

Warum will ich da hin? Ohne Vorschussvertrauen in die Gutwilligkeit und Kompetenz der einem zunächst völlig unbekannten Mitautoren kann die Zusammenarbeit in der Wikipedia nicht funktionieren. Dass es funktioniert ist mir immer noch ein Mysterium und ich bin neugierig zu hören, was darüber heraus gefunden wurde.

11:30 Image by Wikipedia

Worum geht es? Über die überwiegend fehlende Attribution von Bildern im Internet

Warum will ich da hin? Die fehlenden Quellen- und Lizenzangaben an Bildern und anderen Medien sind ein wesentlicher Mangel im gegenwärtigen World Wide Web. Die meisten Benutzer können darum Medien nicht nachnutzen, ohne sich im Zweifel sogar strafbar zu machen, da ihnen das Spezialwissen fehlt, Lizenz und Quelle zu ermitteln. Auf der anderen Seite kümmern sich auch die großen Inhalte-Anbieter im Netz kaum um die fehlenden Angaben – auch in der Wikipedia fehlen an den Bilder die Angaben – man findet sie erst, wenn man auf das Bild klickt – und auch dort nicht sofort. Wie Mats Schöner im BILDblog aufzeigt, kümmern sich auch führende Medienhäuser in Deutschland nicht um die Herkunft der von Ihnen verwendeten Bilder – da werden Fotos von Opfern eines Flugzeugabsturzes für die Illustration eines Propoganda-Artikels gegen Wladimir Putins einfach von deren Facebook-Seite gestohlen.

12:00 How to stay out of jail and still use images from Wikimedia Commons

Worum geht es? Über die rechtlichen Folgen fehlender oder fehlerhafter Attribution von Bildern im Internet

Warum will ich da hin? Dass das ganz schön teuer werden kann, hatte ich in einem früheren Artikel aufgezeigt. An dem Vortrag interessiert mich der internationale Vergleich.

12:30 Crazy Contentious Copyright Challenges Constraining Community Creativity

Worum geht es? über den Einfluss der noch völlig unzureichenden Gesetzeslage für Urheberrechte im Internet auf Freies Wissen

Warum will ich da hin? Der internale Vergleich interessiert mich. Wie viel besser oder schlechter ist es anderswo? Was kann man davon lernen?

14:30 Beyond talk pages: discussing content in 2020

Worum geht es? Gedanken zu Ergänzungen oder Ersatz für die von vielen als unzureichend erachteten Diskussionsseiten in der Wikipedia

Warum will ich da hin? Die Diskussionsseiten werden von etlichen langjährigen Wikipedianern als ausreichend erachtet. Ich sehe aber vor allen drei Schwächen: 1. Sie versagen völlig bei sehr langen Diskussionen mit vielen Teilnehmern, 2. Wenn sich Diskussionsstränge aufteilen, kann man der Diskussion kaum mehr folgen, 3. Neulinge sind mit der Technik völlig überfordert. Man muss Wikisyntax beherrschen, um mitdiskutieren zu können. Sehr gute Diskussionstechniken gibt es im Netz zu Hauf. Die Herausforderung ist die Transition vom bestehenden System zu einem neuen. Ich bin gespannt, wie man die gegensätzlichen Interessen unter einen Hut bekommen wird.

14:40 Measuring community health: Vital signs for Wikimedia projects

Worum geht es? Das Wikimedia Foundation Analytics Team berichtet über seine Bemühungen, mit standardisierten Metriken die Auswirkungen von Projekten zu messen

Warum will ich da hin? Wie misst man den Erfolg von Projekten und Maßnahmen in der Wikimedia Bewegung? Zur Zeit werden Standards dafür gesetzt. Das will ich mir einmal näher ansehen.

16:30 The state of wikiHow

Worum geht es? Es wird “wikiHow” vorgestellt, ein Nicht-Wikimedia-Projekt zur Erstellung und Verbreitung Freien Wissens in Form von Anleitungen aller Art.

Warum will ich da hin? Das kenne ich noch nicht. Es gibt mehrere kommerzielle und Freie Plattformen mit dem gleichen Konzept. Mich interessiert zu wissen, was wikiHow aus der Masser heraus hebt.

17:00 Lives and deaths of Wikimedia projects in a minority language

Worum geht es? Das Leben und Sterben von Wikimedia-Projekten in Minderheitensprachen.

Warum will ich da hin? Es gibt allein in Deutschland elf Minderheitensprachen. Zur Zeit haben die keine Lobby. Ich würde gern sehen, dass Wikimedia Deutschland sich für Wikimedia-Projekte in den Minderheitensprachen Deutschlands einsetzt. Vielleicht kann ich hier Kontakte knüpfen.

17:30 Open Data Portal Austria

Worum geht es? Zusammen mit der Open Knowledge Foundation Austria under Kooperation Open Government Data Austria will Wikimedia Österreich ein regierungsunabhängiges Portal für Offene Daten betreiben

Warum will ich da hin? Ich habe noch nie etwas davon gehört und bin sehr neugierig, was da entsteht. Es wäre schön, wenn wir für Deutschland etwas davon lernen könnten.

Samstag, 9. August 2014

Den Samstag Morgen beginne ich mit dem Hören von Reden interessanter Leute:

9:30 Featured Speakers V Platform: Erik Moeller, VP of Engineering at WMF

10:00 Featured Speakers V Platform: Showcase ALL the (cool) things!Marc A. Pelletier, Wikimedia Tool Labs Engineer

10:30 Featured Speakers V Platform: Raph Koster, Author “A Theory of Fun”

Worum geht es? Es ist immer interessant, interessanten Leuten zuzuhören.

Warum will ich da hin? Da keiner der anderen Track ausreichend Neues für mich bietet (ich bitte bei den Vortragenden um Entschuldigung), höre ich gern hier zu.

11:00 Wikimedia Commons – Needs and wishes for the perfect Wikimedia media database.

Worum geht es? Es sollen Wünsche für die Änderung der Benutzeroberfläche von Wikimedia Commons gesammelt werden.

Warum will ich da hin? Weil ich persönlich unter den miserablen Benutzerfreundlichkeit von Wikimedia Commons leide. Sowohl als Beitragender, wie auch als Nutzer. Ich hoffe, ich kann ein paar Anregungen vermitteln.

12:30 Will we still need categories in times of Wikidata?

Worum geht es? Brauchen wir in Zeiten von Wikidata noch Kategorien?

Warum will ich da hin? Weil die Antwort “NEIN!!!” lautet. Wir brauchen Tags. Wenn ich ein Foto der Orgel in der St. Marien-Kirche in Stralsund suche, will ich mich nicht durch den Kategorie-Baum Stralsund > Culture of Stralsund > Cultural heritage of StralsundPipe organs in Stralsund > Organs of St Marien in Stralsund > Stellwagen-Orgel Stralsund klicken, sondern die Tags “Orgel” und “Stralsund” kombinieren und dann schon die ersten Ergebnisse sehen.

14:30 Cooperation between the chapters: lessons from the past

Worum geht es? Ziko van Dijk berichtet über Erfahrungen aus der Zusammenarbeit von Wikimedia Chaptern.

Warum will ich da hin? Ich finde es sehr schade, wie relativ schwach die Zusammenarbeit der Wikimedia Chapter ausgeprägt ist. Immerhin gibt es Chapter schon seit zehn Jahren. Ziko ist ein streitbarer Geist und in diesem Feld sehr stark engagiert. Ich bin mir sicher, dass ich wichtige Informationen erhalte und hoffe, dass die Zusammenarbeit der Chapter in Zukunft verstärkt wird.

15:00 The role of the media in the development of Wikipedia

Worum geht es? Der Präsentator Itzik Edri spricht über die Notwendigkeit, mit den Medien in Kontakt zu bleiben, auch wenn “doch jeder die Wikipedia kennt”, und wie jeder Freiwillige das tun kann.

Warum will ich da hin? Ich erlebe ständig in meinem Umfeld, dass selbst erfahren Onliner völlig ahnungslos über die Funktionsweise der Wikipedia sind. Es ist wichtig, Meinungsbildnern und Multiplikatoren diese Funktionsweisen klar zu machen, um die Idee Freien Wissens zu stärken.

15:30 Liquid Lobbying – How could Wikimedia change EU copyright?

Worum geht es? Dimitar Parvanov Dimitrov, “unser Wikimedianer in Brüssel”, spricht über die Möglichkeiten für die Wikimedia Bewegung, Einfluss auf die Gestaltung des EU-Urheberrechts zu nehmen.

Warum will ich da hin? Dimi leistet für uns Großartiges bei der EU. Das ist in der Wikimedia Bewegung leider weitgehend unbekannt. Ich hoffe, dass mit dieser Veranstaltung mehr Wikimedianer über Dimis Arbeit erfahren und ihn unter Umständen mehr unterstützen.

 16:30 VisualEditor – helping users edit more easily

Worum geht es? James Forrester (Product Manager, VisualEditor team, Wikimedia Foundation) und Trevor Parscal (Lead Front-End Engineer, Wikimedia Foundation) stellen die Arbeit am VisualEditor vor. Dieses Tool soll die Möglichkeit bieten, die Wikipedia zu bearbeiten, ohne WikiSyntax beherrschen zu müssen. Dabei wollen sie auch ihre Entscheidungen für bestimmte Features nachvollziehbar machen.

Warum will ich da hin? Die Einführung des VidualEditors in die verschiedenen Wikipedias ist kontrovers diskutiert worden. Ich würde gern die Menschen hören und sprechen, die das Tool am besten kennen.

17:00 It’s Alive! The Joy of Real-Time Collaboration

Worum geht es? Erik Moeller (Deputy Director and VP of Engineering and Product Development, Wikimedia Foundation) stellt Möglichkeiten vor, die sich für die Online-Zusammenarbeit aus neuen Erweiterungen der Wikipedia ergeben könnten, die man aus Google Docs oder EtherPad kennt.

Warum will ich da hin? Ich bin der Meinung, dass die Wikipedia durch die veraltete Oberfläche von MediaWiki ins Hintertreffen geraten ist. Ich freue mich, dass meine Ansicht an der Spitze der MediaWiki-Entwicklung geteilt wird.

17:30 Real-time Collaborative Editing with TogetherJS

Worum geht es? Die MediaWiki-Erweiterung TogetherJS ermöglicht die Auflösung des uralten Konflikts, wenn zwei oder mehr Autoren nahezu gleichzeitig einen Wikipedia-Artikel bearbeiten: Die Arbeit dessen, der zuerst speichert gewinnt, der andere Autor muss seine Änderungen mühsam in die Arbeit des anderen integrieren.

Warum will ich da hin? Ich schaue gern ein wenig in den Maschinenraum.

Sonntag, 10. August 2014

9:30 Wikidata – current state and Q&A

Worum geht es? Den Stand der Entwicklung von Wikidata.

Warum will ich da hin? Wikidata wird in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland entwickelt und ist eine der größten Innovationen der letzten Jahre.

10:00 The opportunities and challenges of Wikidata

Worum geht es? Die Möglichkeiten und Herausforderungen, die mit Wikidata einher gehen.

Warum will ich da hin? Ich sehe in Wikidata eine gigantische Bereicherung für Freies Wissen. Strukturiertes Wissen wird in der Wikipedia mühsam mit Behelfstechnologien simuliert. Nachdem Wikidata langsam dem Säuglingsalter entwächst, bin ich gespannt auf die Sicht anderer auf die neuen Möglichkeiten.

10:30 A data and developer hub for Wikimedia

Worum geht es? Etwas versteckt in der Agenda wird hier eine wichtige Schwerpunktsetzung der Wikimedia Foundation präsentiert: Die Zuwendung an Entwickler, die die Software der Bewegung entwickeln oder das erstellte Freie Wissen mit ihrer Software verbreiten könnten.

Warum will ich da hin? Wenn ich in den letzten Jahren an die Betreuung der freiwilligen Entwickler dachte (eigentlich die “Nicht-Betreuung”) musste ich immer an den Adenauer zugeschriebenen Ausspruch denken: “Kinder kriegen die Leute immer.”; das wäre hier: “Freiwillige Entwickler für unsere Software kriegen wir immer”. So ist es aber nicht. Ich freue mich, dass hier die Initiative ergriffen wird und hoffe, dass nicht Dilettantismus alles versaut wird.

11:30 WikiCredit – Calculating & presenting value contributed to Wikipedia

Worum geht es? Das Messen des Beitrag jedes einzelnen Beitragenden an der Wikipedia.

Warum will ich da hin? Das ist ein interessante Herausforderung für Mathematiker und Statistiker. Ich freue mich auf ein wenig Zahlenjonglage.

12:00 The Wikipedia Adventure: Play with Learning

Worum geht es? Gamification der Erstellung Freien Wissen.

Warum will ich da hin? Sie hatten mich schon bei “Gamification” 😉 Ich hoffe mehr Projekte wie das Wikidata-Game kennen zu lernen.

12:30 Using the Mass upload tool to copy GLAM collections to Commons

Worum geht es?  berichtet über Erfahrungen mit einem speziellen Tool für Projekte, um massenhaft Fotos auf Wikimedia Commons hoch zu laden.

Warum will ich da hin? Ich verwende Commonist, um meine Bilder auf Wikimedia Commons hoch zu laden, da es das einzige mir bekannte Tool ist, dass GPS-Daten nicht aus den Meta-Daten der Bilder löscht. Ich bin gespannt, von den Erfahrungen anderer zu hören.

14:30 We Need to Talk About Paid Editing… Sorting Out Wikipedia’s Most Enduring Argument

Worum geht es? Eines der Gebote der Wikipedia ist, dass Autoren nicht bezahlt werden. Es gibt aber bezahlte Autoren.

Warum will ich da hin? In Deutschland wird über dieses heikle Thema schon einige Jahre offen diskutiert. Ich bin gespannt darauf, was in anderen Ländern los ist.

Und übrigends…

…werde mich wohl weitestgehend an diesen Plan halten. Wenn sich jedoch ein interessantes Gespräch mit anderen Besuchern der Wikimania ergibt oder ein anderer Vortrag nach näheren Besehen spannender ist als der geplante, dann entscheide ich ohne Hemmungen operativ um.

Notes:

  1. Zitat von der Startseite der Wikimania 2014 Website

Hausaufgaben am Küchentisch, Margarinewürfel und Kriegsgeschichten

Ausgabe von Lebensmittelkarten in Berlin 1950. Bundesarchiv, Bild 183-09069-0001 / CC-BY-SA
Ausgabe von Lebensmittelkarten in Berlin 1950. Bundesarchiv, Bild 183-09069-0001 / CC-BY-SA

Mein Kind saß neulich am Küchentische und bastelte etwas für den Schulunterricht. Da erinnerte ich mich an eine Aufgabe, als ich in der zweiten Klasse war. Ich sollte eine Tagesration Lebensmittel für Menschen in Ostdeutschland Ende der 1940er Jahre nachstellen. Also eine Scheibe Graubrot, ein kleiner Würfel Margarine, ein Klecks Marmelade und drei Kartoffeln (die genaue Menge weiß ich nicht mehr).

Da die Eltern der Mitlernenden meines Kindes zwischen Mitte zwanzig und Anfang fünfzig Jahre alt sind, überlegte ich, wie alt die Eltern in meiner Klasse damals 1976 waren. Meine Eltern waren Anfang Dreißig – 1944 und 1945 geboren. Sie hatten keine konkreten Erinnerungen an die Rationierung. Die Eltern mindestens eines Mitschülers waren Anfang fünfzig Jahre alt – Ende der 1920er Jahre geboren. Sie waren nach Kriegsende junge Erwachsene und hatten sehr konkrete Erinnerungen an Hunger und Rationierung. Während meine Eltern keinen echten Bezug zu meiner Fummelei mit den Lebensmitteln hatten, war das bei meinem Mitschüler ganz etwas anderes. Die Brot und Fett wanderten nach dem Anschauungsunterricht in den Müll. Wie muss das wohl für die Eltern meines Mitschülers gewesen sein?

Wenn ich den Bogen zu der Klasse meines Kindes zurückschlage, gehöre ich der um 1968 geborenen Generation an, die vor der Wende junge Erwachsene waren, während Eltern von Mitschülern der Nachwendegeneration angehören. Für sie sind Erzählungen aus der DDR so weit entfernt wie für meine Eltern Geschichten aus dem Krieg.

Kleine Statistik zur Einkommensgerechtigkeit in Deutschland

Auf der Website des Statistischen Bundesamtes Deutschlands bin ich auf die Zahlen zu Einkommen, Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte nach dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen 2011 gestoßen.

Einkommen, Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte nach dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen 2011. © Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2014
Einkommen, Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte nach dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen 2011. © Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2014

Aus der Zeile “Hochgerechnete Haushalte (1 000)” entnehme ich die Anzahl der Haushalte für die in den Spalten angegeben Einkommensgruppen. Das ergibt folgendes Bild:

Haushalte nach Nettoeinkommen im Monat. CC-BY-SA-3.0 Sebastian Wallroth
Haushalte nach Nettoeinkommen im Monat. CC-BY-SA-3.0 Sebastian Wallroth

Die beiden Gruppen mit den niedrigsten Einkommen stellen über die Hälfte der Haushalte.

Der Zeile “Haushaltsnettoeinkommen” entnehme ich nun das durchschnittliche Einkommen für die Einkommensgruppen. Das multipliziere ich mit den Anzahlen der Haushalte. Somit ergibt sich folgendes interessante Bild.

Haushalte nach Nettoeinkommen im Monat - Anteil am Gesamteinkommen. CC-BY-SA-3.0 Sebastian Wallroth
Haushalte nach Nettoeinkommen im Monat – Anteil am Gesamteinkommen. CC-BY-SA-3.0 Sebastian Wallroth

Im deutlichen Gegensatz zur ersten Grafik stellen hier die Gruppen mit den höchsten Einkommen die Mehrheit der Haushalte.

Nicht nur, dass die Anzahl der Haushalte mit höheren Einkommen niedriger ist als die der Haushalte mit niedrigen Einkommen. Die Haushalte mit höheren Einkommen nehmen auch noch einen erheblich höheren Anteil am Gesamteinkommen ein.

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Lässt das Internet unsere Innenstädte veröden?

Shopping Center "Faro 2" in Maspalomas (Gran Canaria). Foto: Marc Ryckaert (MJJR), CC-BY-3.0 via Wikimedia Commons
Shopping Center “Faro 2” in Maspalomas (Gran Canaria). Foto: Marc Ryckaert (MJJR), CC-BY-3.0 via Wikimedia Commons

Krank zu Hause sehe ich Sendungen im Fernsehen, die mir sonst aus Zeitmangel nicht auf den Bildschirm kommen würden, zum Beispiel MDR, Thüringen Journal, 2. Dezember 2014 19:00 Uhr, Innenstädte veröden zusehends.

Ich erfahre, dass in Eisenach auf jeden Einwohner etwa 3,3 m² Ladenfläche kommen. Die Geschäfte befinden aber vor allem in Einkaufszentren am Rande und im Zentrum der größeren Städte. Es werden Bilder gezeigt, die ich auch aus Tourismusprospekten kenne: menschenleere Innenstädte. Aufwendig saniert. Verkehrsberuhigt. Fußgängerzonen, so weit das Auge reicht. Aber kaum Fußgänger.

In Jena am Markt oder in Mühlhausen auf dem Steinweg kann man noch Einkaufsbummel machen. Aber in Schleusingen oder Kahla? Da setzen sich die Einwohner ins Auto und fahren dorthin, wo es viele Geschäfte und reichlich Parkplätze gibt: zu den Shopping Malls, den Einkaufszentren. Und die dürfen ruhig ein paar Dutzend Kilometer entfernt liegen. Da sind sie, die Fußgänger: erst im Auto, dann auf der Rolltreppe und dann bummeln sie unter Tageslichtsimulation an Einzelhandelssimulationen vorbei.

Ein Folge der Industriellen Revolution. Wir produzieren industrialisiert, wir wohnen in industriell hergestellten Häusern und wir kaufen industriell ein. In der DDR wurde die Industrialisierung des Lebens mit dem Fortschritt gleichgestellt. Beides ist mir heute suspekt. Warum hängten sich die Leute Wagenräder und Kummets auf die Balkone ihrer Plattenbauwohnungen? Wie pervers ist es, einen Bauernmarkt in einer Shopping Mall nachzubilden? Und Quark in Plastikgefäßen zu verpacken, die wie kleine Holztröge aussehen?

Es ist nicht das Internet (eigentlich die Auswirkung der Digitalen Revolution) , die unsere Innenstädte veröden lässt. Es hat schon mit der industriellen Revolution begonnen. Man kann sich dem stellen. Konzepte ausprobieren. Die autogerechte Stadt zum Beispiel. Aber es ist nicht immer schön, was dabei heraus kommt.

Und wo kaufe ich meine Weihnachtsgeschenke? Und ich werde welche kaufen – weil mir das Schenken Spaß macht. Ich werde die Schönhauser Allee runterflanieren. Um den Kollwitzplatz schreiten. Und ins Kaufhof Galeria am Alexanderplatz gehen. Die haben da eine wirklich sehenswerte Rolltreppenkonstruktion.

Typen, denen das alles viel zu langweilig ist, sind aber genau so eine Gefahr für die Demokratie, lieber Kiezneurotiker.

Freiheit statt Angst Demo #FsA13. Foto: digitalcourage via <a href="https://secure.flickr.com/photos/digitalcourage/9695088724/in/photolist-fLHS79-fLGe61-fLGdMW-fLGdFS-fLpDMt-fLGdwh-fLGdK3-fLpDh6-fLGdnb-fLyaRg-fLygtx-fLyDLK-fLR39w-fMaF7A-fLjGx8-fLBhoU-fMocD1-fM6oBB-fM6CTV-fMo1jo-fMobLC-fMo6Dq-fM6jLZ-fM6LNM-fMnTCW-fM6EXB-fM6DVZ-fMo8CY-fM6nfF-fMo845-fMnUBW-fM6ykX-fM6Ln8-fMojbU-fM6C4K-fMo2ES-fM6zoZ-fMojMW-fMokPm-fMnSUS-fMo3WW-fM6GE8-fMnWAW-fMohNj-fLQn81-fLBg1f-fLAYHJ-fLBgc1-fLjvXx-fLSg2V-fLA1BU/">flickr</a>. CC-BY-3.0
Freiheit statt Angst Demo #FsA13. Foto: digitalcourage via flickr. CC-BY-3.0

Der Kiezneurotiker war auf der Demo “Freiheit statt Angst” aber da waren

nur 20.000 Teilnehmer. Davon 90% Parteisoldaten von Linken, Grünen und Piraten.

Und da isser enttäuscht, der Kiezneurotiker, denn

20.000 Menschen jucken keinen, bringen keinen zum Umdenken. Erreicht wurde niemand

Und wer soll zum Umdenken gebracht werden?

die Schnepfen mit ihren Gucci-Einkaufstüten vom Hackeschen Markt, deren Klunker an den Ohren vor lauter Kopfschütteln im Takt mit den Bongotrommeln klapperten

Echt? Die? Ach nee, doch nicht:

die Politiker, die es angeht, haben wir schon gar nicht erreicht.

Wieso glaubt er das, der Kiezneurotiker?

Heute ist nicht mehr passiert, als dass ein paar Piraten nebst Anhang irgendwo im Niemandsland im Kreis gelaufen sind, n-tv bringt eine Kurzmeldung dazu, SpOn einen schlumpfigen Bericht und kein Hahn wird mehr danach krähen.

Das ist natürlich langweilig. So im Kreis gehen und dann ist nur eine Kurzmeldung auf n-tv und ein bisschen was auch Spiegel Online. Laaaaaangweilig!

Enttäuscht? Ja, ziemlich. Es war einfach zu sehr wie immer. Alle da. DKP. Rote Fahne. Junge Welt. Verdi. Sogar der schwarze Block. Irgendwelche marginalisierten Jugendverbände irgendwelcher marginalisierten Splittergruppen. Die Demo-Routiniers. Die immer da sind. Seit 200 Jahren. Plus Piraten, Grüne und FDP. Und dann doch nur 20.000 Menschen. Sorry, zu wenig.

Nur 20.000. Zu wenig. Langweilig. Und dann nur wieder dieselben wie immer. Langweilig. Demo auf unwichtigen Straßen. Langweilig. Kaum Zuschauer am Straßenrand. Laaaangweilig.

Was könnte man den tun, um dem Kiezneurotiker einen Kick zu verpassen? Demo mitten durch das BND-Gebäude? Oder den Plenarsaal des vollbesetzten Bundestages? Wieviele müssen mitlaufen, damit es sich lohnt? 200.000? 2.000.000? 20.000.000? Und wer muss mitlaufen? Wer ist ein rassereiner Demonstrant, den man Ernst nehmen kann? Ja wohl keiner von der F.D.P. (hihi!). Schwarzer Block auch nicht. Das sind ja nur

Kinder mit schwarzen Kapuzenpullovern, die immer lustig hüpften, wenn sie einen Polizisten sahen

Nix los, Kiezneurotiker, wa? Nix auffe Fresse? Laaaaaangweilig. So Demokratie so. Voll Laaaaangweilig. Das könnten wir doch besser, oder? So Jugoslawien/Libyen/Syrien-mäßig? Chirurgische Luftschläge gegen militärische Einrichtungen? So Zack und Zack und ZACK!

Ja, nee. Langweiliges auf der Straße rumlaufen. Polizei nimmt einen nicht Ernst, sonst würde sie ja mit Knüppeln und Wasserwerfern dazwischen gehen, die Bullenschweine, oder? Politiker nehmen einen nicht Ernst.

Außer vielleicht den tapferen Ströbele, der auch heute wieder dabei war. Aber den braucht man ja nicht zu überzeugen.

Typen, denen das alles viel zu langweilig ist mit der Demokratie und zu wenig Zack-Zack, sind genau so eine Gefahr für die Demokratie wie wild gewordene Geheimdienste, lieber Kiezneurotiker.

Mir gehen seit Tagen vier Zeilen aus Goethes Faust nicht aus dem Sinn

Nichts bessers weiß ich mir an Sonn- und Feyertagen,
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrey,
Wenn hinten, weit, in der Türkey,
Die Völker auf einander schlagen.

Johann Wolfgang von Goethe, Faust – Der Tragödie erster Teil, Zeile 860ff- Veröffentlicht 1808

Käthe Kollwitz: Nie wieder Krieg ( Plakat für den Mitteldeutschen Jugendtag 1924 in Leipzig). 25 Pfennig-Briefmarke. Erstausgabetag: 22. September 1970. Auflage: 1.700.000. Entwurf: Klaus Wittkugel und Naumann. Michel-Katalog-Nr: Ländercode-MiNr: 1609
Käthe Kollwitz: Nie wieder Krieg ( Plakat für den Mitteldeutschen Jugendtag 1924 in Leipzig). 25 Pfennig-Briefmarke. Erstausgabetag: 22. September 1970. Auflage: 1.700.000. Entwurf: Klaus Wittkugel und Naumann. Michel-Katalog-Nr: Ländercode-MiNr: 1609

Warum kommen wir mit unserer Gesellschaft so langsam voran? Warum gehen von den angeblich am höchsten entwickelten Staat Krieg und Folter aus? Ich habe in Friedenszeiten fast drei Jahre als Soldat gedient und bin dabei zu der festen Überzeugung gelangt, dass es nichts sinnloseres als Krieg gibt. Ich bin ja mit der Anti-Kriegs-Propaganda in der DDR aufgewachsen und gleichzeitig mit Sprüchen wie “Wehrdienst ist Ehrendienst”; auf der einen Seite mit Käthe Kollwitz’ “Nie wieder Krieg” von 1922, auf der anderen Seite mit “Soldaten sind vorbei marschiert im gleichen Schritt und Tritt.
Wir Pioniere kennen sie und laufen fröhlich mit, juchhei!” von Hans Georg Beyer, vertont von Hans Naumilkat. Nach der Wende und dem Ausklingen des Kalten Krieges hegte ich ganz ernsthaft die Hoffnung auf Weltfrieden und eine gute Gesinnung für jedermann. Aber das stand wohl nicht auf dem Plan.

Apropos “Sneakers – Die Lautlosen”.

Whistler (David Strathairn): “Ich möchte Frieden auf Erden und eine gute Gesinnung für jedermann.”
NSA Agent Abbott (James Earl Jones): “Ahh … das ist doch lächerlich.”
Bishop (Robert Redford): “Das ist sein Enst.”
NSA Agent Abbott: “Wir sind die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, wir machen solche Art Sachen nicht.

Sue Gardner: Der Kampf für ein freies, offenes Internet und wie wir ihn verlieren

Sue Gardner. Foto: Victoria Will for the Wikimedia Foundation. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de">CC-BY-SA-3.0</a>
Sue Gardner. Foto: Victoria Will for the Wikimedia Foundation. CC-BY-SA-3.0

Die scheidende Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation Sue Gardner hat auf der 2013 MIT-Knight Civic Media Conference in Boston einen bemerkenswerten Vortrag gehalten, den sie in ihrem Blog unter dem Titel “Der Kampf für ein freies und offenes Internet und wie wir ihn verlieren” veröffentlicht hat. Hier eine Zusammenfassung.

Die Wikipedia ist die fünftgrößte Website der Welt mit einer halben Milliarde Leser jeden Monat. Sie ist eine enorme Erfolgsgeschichte, die von vielen als leuchtendes Beispiel für alles genommen wird, was gut am Internet ist. Aber sie steht völlig allein da. Wikipedia ist nicht die Regel; Wikipedia ist die Ausnahme von der Regel, die die Regel bestätigt.

Die Wikipedia wird nicht betrieben, um Geld zu verdienen. Genau wie es in jeder Stadt öffentliche Parks, Leihbüchereien und Schulen gibt, sollte es so etwas auch im Internet geben. Aber Wikipedia ist

  • die einzige mit Spenden betriebene Seite in den Top 50
  • die einzige gemeinnützige Site in den Top 25

Der durchschnittliche Internetbenutzer verbringt praktisch seine gesamte Zeit im Internet auf profitorientierten Websites. Das Internet wird immer mehr zu einem Ort, der von privaten Firmen kontrolliert wird. Es muss ständig Dinge verkaufen. Es tut was immer es will mit jedermanns privaten Daten. Und es kontrolliert sich selbst – fast immer zu Nachteil der Benutzer. Es ist den Interessen seiner Anteilseigner verpflichtet – nicht dem öffentlichen Wohl.

Ein Beispiel: Zensur in Großbritannen.

Ein Zusammenschluss von Internetdiensteanbietern in UK namens “Internet Watch Foundation” identifizierte 2008 das in der Wikipedia dargestelltes Cover der Platte “Virgin Killer” der Scorpions von 1976 als Kinderpornografie. Auf dem Cover sitzt ein junges, nacktes Mädchen im Spagat; sein Geschlechtsteil ist durch einen sternförmigen Sprung in einer Glassscheibe verdeckt. Mit dem Versuch, das Anzeigen des Covers in UK zu blockieren wurde auch verhindert, dass irgendjemand in UK Wikipedia editieren konnte. Es kam zu einem gewaltigen Aufschrei. Nach einige Tagen musste die Blockierung rückgängig gemacht werden. Jedoch:

  • Die Internet Watch Foundation stellte nach der Rücknahme der Blockierung klar, dass sie einfach keine Chance gegen die PR der fünftgrößten Website der Welt hat. Jede andere Website würde weiter blockiert werden.
  • Wichtiger und unsichtbarer passiert folgendes: Amazon nahm das strittige Cover aus seinem Katalog und zeigt eine alternative Version an. Amazon hat nicht die Wikimedia Foundation angerufen, um sich wegen der Klage zu erkundigen oder Hilfe anzubieten. Amazon hat einfach das Album aus seinem Angebot genommen. Nicht nur in UK, sondern in der ganzen Welt.

Nichts gegen Amazon. Amazon hat die Verfügbarkeit von Waren im Internet drastisch vereinfacht und damit neue Möglichkeiten auf für die Erlangung von Wissen eröffnet.

Auch wahr ist aber: Es ist nicht Amazons Aufgabe, das öffentliche Internet zu schützen – seine Aufgabe ist es, die Interessen von Amazon zu vertreten.

Öhrchen zählen

Winston Churchill zeigt das Victory-Zeichen. Public Domain.
Winston Churchill zeigt das Victory-Zeichen. Public Domain.

Der Titel stimmt nicht. Ich kann mich nicht erinnern, ob wir einen Namen dafür hatten. Wenn wir es doch irgendwie nannten, dann hieß es nicht “Öhrchen zählen”.

Die Handgeste, bei der man Zeigefinger und Mittelfinger V-förmig aus der Faust abspreizt, nennt sich Victory-Zeichen. Wenn man die Hand hinter den Kopf von jemandem hält, so dass nur die beiden abgespreizten Finger über dem Kopf sichtbar werden, kann man dies als Hasenohren interpretieren. Als ich in der fünften Klasse war, war das in meiner Alterklasse ein beliebter Scherz. Es gibt mehrere Fotos von Klassenfahrten, auf denen jemand einen Satz Ohren zu viel hat. Und immer sind es Jungs, die die Finger hinter dem Kopf eines Mitschülers oder einer Mitschülerin hochhalten.

Die Person mit den zusätzlichen Ohren wurde damit ein bisschen lächerlich gemacht. Ich würde es nicht Demütigung nennen. Dazu wurde es nur bei Schülern, deren sozialer Status sowieso gering war. Dann wurden die Öhrchen den anderen Demütigungen hinzugefügt.

In unserer Klasse wurde die Geste nach und nach verfeinert. Die erste Änderung war, dass die abgespreizten Finger nicht mehr unter Spannung standen, sondern lässig nach vorne gebogen waren. Dann kam das Zählen hinzu. Die beiden abstehenden Finger wurden rhythmisch nach unten gebogen. Je öfter das dem Scherzbold gelang, um so lustiger war es. So brauchte es auch keiner Kamera mehr, um jemandem die Öhrchen zu verpassen. Man hatte ja das Zählen.

Die- oder derjenige, der die Öhrchen angezählt bekam, konnte nur an der Reaktion der Umstehenden erkennen, dass etwas Ungewöhnliches vorging. Irgendwie schauten einen die Mitschüler seltsam an. Mit der Zeit lernte man, in so einem Fall zuerst nach schräg hinten zu schauen, ob da nicht ein Junge mit erhobenen Arm stand. Für den Zählenden war es wichtig, dass das der oder die Veralberte irgendwann die Attacke bemerkte, ansonsten verpuffte die Wirkung. Der Arm wurde immer schwerer und das triumphierende Lächeln immer verkniffener. Notfalls schubste der Zählende sein Opfer ein bisschen, um ihn auf seine Rolle hinzuweisen.

Das ist eine der schöneren Erinnerungen aus meiner Schulzeit.