Lässt das Internet unsere Innenstädte veröden?

Lässt das Internet unsere Innenstädte veröden?

Shopping Center "Faro 2" in Maspalomas (Gran Canaria). Foto: Marc Ryckaert (MJJR), CC-BY-3.0 via Wikimedia Commons

Shopping Center Faro 2“ in Maspalomas (Gran Canaria). Foto: Marc Ryckaert (MJJR), CC-BY3.0 via Wikimedia Commons

Krank zu Hause sehe ich Sendungen im Fernsehen, die mir sonst aus Zeitmangel nicht auf den Bildschirm kom­men wür­den, zum Beispiel MDR, Thüringen Journal, 2. Dezember 2014 19:00 Uhr, Innenstädte ver­öden zuse­hends.

Ich erfah­re, dass in Eisenach auf jeden Einwohner etwa 3,3 m² Ladenfläche kom­men. Die Geschäfte befin­den aber vor allem in Einkaufszentren am Rande und im Zentrum der grö­ße­ren Städte. Es wer­den Bilder gezeigt, die ich auch aus Tourismusprospekten ken­ne: men­schen­lee­re Innenstädte. Aufwendig saniert. Verkehrsberuhigt. Fußgängerzonen, so weit das Auge reicht. Aber kaum Fußgänger.

In Jena am Markt oder in Mühlhausen auf dem Steinweg kann man noch Einkaufsbummel machen. Aber in Schleusingen oder Kahla? Da set­zen sich die Einwohner ins Auto und fah­ren dort­hin, wo es vie­le Geschäfte und reich­lich Parkplätze gibt: zu den Shopping Malls, den Einkaufszentren. Und die dür­fen ruhig ein paar Dutzend Kilometer ent­fernt lie­gen. Da sind sie, die Fußgänger: erst im Auto, dann auf der Rolltreppe und dann bum­meln sie unter Tageslichtsimulation an Einzelhandelssimulationen vorbei.

Ein Folge der Industriellen Revolution. Wir pro­du­zie­ren indus­tria­li­siert, wir woh­nen in indus­tri­ell her­ge­stell­ten Häusern und wir kau­fen indus­tri­ell ein. In der DDR wur­de die Industrialisierung des Lebens mit dem Fortschritt gleich­ge­stellt. Beides ist mir heu­te suspekt. Warum häng­ten sich die Leute Wagenräder und Kummets auf die Balkone ihrer Plattenbauwohnungen? Wie per­vers ist es, einen Bauernmarkt in einer Shopping Mall nach­zu­bil­den? Und Quark in Plastikgefäßen zu ver­pa­cken, die wie klei­ne Holztröge aussehen?

Es ist nicht das Internet (eigent­lich die Auswirkung der Digitalen Revolution) , die unse­re Innenstädte ver­öden lässt. Es hat schon mit der indus­tri­el­len Revolution begon­nen. Man kann sich dem stel­len. Konzepte aus­pro­bie­ren. Die auto­ge­rech­te Stadt zum Beispiel. Aber es ist nicht immer schön, was dabei her­aus kommt.

Und wo kau­fe ich mei­ne Weihnachtsgeschenke? Und ich wer­de wel­che kau­fen – weil mir das Schenken Spaß macht. Ich wer­de die Schönhauser Allee run­ter­f­la­nie­ren. Um den Kollwitzplatz schrei­ten. Und ins Kaufhof Galeria am Alexanderplatz gehen. Die haben da eine wirk­lich sehens­wer­te Rolltreppenkonstruktion.

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Sebastian Wallroth administrator