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Ich erkläre das mal mit den Passwörtern

Wenn Dir ein Onlinedienst Dein Passwort zuschickt, dann kann er es Dir auch gleich auf die Stirn tätowieren. Wenn er es lesen kann, dann kann es auch ein Dieb lesen.

Türschloss in Aliste, Zamora, Spanien. Foto: Tamorlan, CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons
Türschloss in Aliste, Zamora, Spanien. Foto: Tamorlan, CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Jetzt kommt vermutlich Dein berechtigter Einwand, dass das System das Passwort ja IRGENDWIE lesen können muss, wenn Du dich dami anmelden willst. Muss es aber nicht. Es gibt einen Trick, wie das System feststellen kann, ob das von Dir eingegebene Passwort mit dem in der Datenbank gespeicherten überein stimmt, ohne das Passwort zu lesen: Es bildet einen FINGERABDRUCK des Passworts. Zum Beispiel ist der MD5-Fingerabdruck des beliebtesten Passwortes aller Zeiten „123456“ gleich „e10adc3949ba59abbe56e057f20f883e“. Der Witz bei der Sache ist, dass man aus dem Fingerabdruck des Passworts das Passwort selber nicht ermitteln kann (oder mit so großem Aufwand, dass es sich für den Dieb nicht lohnt). Die Fingerabdrücke sind jedoch einzigartig. Das System fertigt von dem von Dir eingegebenen Passwort einen Fingerabdruck und vergleicht ihn mit dem gespeicherten Fingerabdruck des hinterlegten Passworts. Wenn die gleich sind, stimmen auch die Passwörter überein.

Es gibt daraus folgend KEINEN GRUND für das System, das hinterlegte Passwort auslesen zu können. Darum kann es so verschlüsselt werden, dass auch das System es nicht mehr auslesen kann.

Wenn Du das Passwort vergessen hast, kann es Dir aus diesem Grund vom System nicht geschickt werden. Es muss geändert werden. Darum schickt das System einen Link, um ein neues Passwort zu generieren. Davon wird wiederum ein Fingerabdruck gespeichert und das Passwort wird  hoch verschlüsselt. (An dieser Stelle kann das System zudem die Fingerabdrücke von altem und neuem Passwort vergleichen und Dich dann dazu bringen, nicht dasselbe Passwort wie zuvor zu verwenden.)

Wenn Du also ein Passwort zugesandt bekommst oder auf der Website angezeigt bekommst, dann wurde das System nicht nach dem Stand der Sicherheitstechnik programmiert und Du solltest Dich beschweren.

Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung.

 

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Der Architekt von Welt wählt schmutziggrau mit ausgestanzten Fensterlöchern

Antonplatz. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-3.0
Antonplatz. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-3.0

Ich sehe ihn förmlich vor mir, den Architekten, in seiner Loft, wie er mit dem wohlbeschuhten Füßchen aufstampft und keift: „Ich will aber eine herbsthimmelgraue Façade mit geometrisch exakte Fensternischen“. Der böse Amtsschimmel schreibt lächerliche rote Ziegeldächer vor, wo doch schon die Berliner Traufhöhe eine grässliche Einengung der gestalterischen Freiheit darstellt! Dafür hat er doch nicht Architekt studiert!!

O wie gern würde er seine Abscheu gegenüber den wuselnden Menschlein in himmelstürmenden Entwürfen in scharfkantigem Sichtbeton, kaltem Stahl und spiegelndem Glas Ausdruck verleihen! Seht, wie uniform sie alle sind, die sie nicht wohlbeschuht in weiträumigen Lofts arbeiten! Er lässt sie kalt lächelnd aus mit spitzem Stift in die Hauswand gerissenen, immergleichen Reihen von Fensterscharten glotzen, die in jede Richtung ins Unendliche fortgesetzt werden können.

Hinter der fettgedämmten Fassade, in ihren überheizten Wohnungen, da dürfen sie die Wände in Russisch-Grün, Schilf, Eierschal und Mauve streichen. Aber draußen, da hat er die Macht und baut Häuser, die wie ihre Dreckfressen aussehen, wenn sie sich morgens in die Straßenbahn quetschen und er mit seinem Mini Cabrio aus dem Umland kommend an ihnen vorbei zischt.

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Kommt ein Schwabe in eine Prenzlauer Berg-Kneipe…

…und verlangt eine „Baionäjd Laitschi“ 1 — erzählt mir die Bedienung als Schenkelklopfer. Ich nicke vertraulich tuend und lächle, denn ich will ja nicht, dass mir der Koch in das Bauernfrühstück spuckt.

Ich habe gelernt, dass das witzig ist. Wenn jemand etwas nicht weiß — zum Beispiel, wie man ein Modegetränk korrekt ausspricht — dann pendle ich zwischen korrigieren und ignorieren. Aus

Notes:

  1. Bionade Litschi, eine Erfrischungsgetränkemarke in der Geschmacksrichtung der Frucht Litschi
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Wenn Du kostenpflichtig Downloads anbietest, dann kommt am 1. Januar was auf Dich zu

Auf eRecht24 las ich gerade, dass zum 1. Januar 2015 beim Handel mit digitalen Gütern EU-weit neue Regeln für die Abführung der Umsatzsteuer gelten.

Der Händler muss die Umsatzsteuer im Land des Käufers abführen. Dazu muss der Händler vorher im Land des Käufers seine Umsatzsteuerpflicht angemeldet haben. Im Zweifel also in 24 Ländern mit unterschiedlichen Melderegeln (und Strafen). Der Händler wird sich also überlegen müssen, für welche Länder er Downloads anbieten kann. Des weiteren tendiert die Rechtsprechung eindeutig dahin, dass der Kunde in der Produktdarstellung den kompletten Preis angezeigt bekommt, einschließlich Umsatzsteuer und sonstigen Kosten.

Ich vermute, dass es darauf hinaus läuft, dass der Kunde beim Einstieg in den Online-Shop angeben muss, aus welchem Land er kommt. (Vermutlich das Land, in dem der Kunde steuerlich gemeldet ist? Muss der Händler dem Kunden glauben oder braucht es einen Nachweis?)

Auf jeden Fall wird es schwierig sein, dem Kunden sofort den richtigen Preis anzuzeigen, wenn er auf einer beliebigen Produktseite landet. Mit IP-Sperren würde ich nicht arbeiten, um nicht Downloadkunden zu verlieren, die außerhalb der EU Urlaub machen (oder aus anderem Grund eine IP haben, die außerhalb der EU lokalisiert wird).

Ein Schlag in die Fresse der UX (der Göttin der Benutzbarkeit) wären Popup-Fensterchen mit der Begrüßungsfrage „Woher kommst Du?!?“

 

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There ist beauty in the darkness

Lion monument in Lucerne. Foto: Gürkan Sengün, gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Lion monument in Lucerne. Foto: Gürkan Sengün, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Ursprünglich veröffentlicht auf phantomschmerzen:

Lion

They took his heart
the zombies did
ate it whole
so they could live
and now he walks
he talks to me
without his heart
did his pulse beat?
his brain was mixed
and scrambled most
without his heart
he is a ghost.

Miranda Schwartz 

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real68ers Blogschau 2014/KW34

Geld. Foto von Takkk, CC-BY-SA-3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons
Geld. Foto von Takkk, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Hä? Wie lange habe ich denn schon keine Blogschau mehr abgehalten?! Wird ja echt mal wieder Zeit.

Appropos Hä?: Niederländische (diesmal keine britischen) Forscher haben untersucht, ob Hä? (englisch: Huh?) ein universelles Wort ist. Es tatsächlich, es ist ein Wort, es ist universell und es ist keineswegs trivial (englisch).

Wo wir gerade bei Sprache sind: Michael Mann vom lexikographieblog hat eine Sammlung Sprachatlanten und Namenskarten zusammengetragen. Namenskarten finde ich immer wieder faszinierend.

Wo wir vorhin bei Forschung waren: 80% der wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Grunde liegenden Daten sind nach 20 Jahren verloren (englisch). Das heißt, dass die Tests wiederholt werden müssen, wenn man die Veröffentlichung überprüfen oder nachnutzen will.

Die kluge Kathrin Passig analysiert in dem Zeit-Artikel „Wunschlisten, Wunschdenken und die Wirklichkeit“ unser Konsumverhalten und kommt zu dem versöhnlichen Schluss:

Vielleicht muss man in der Gegenwart prächtige, realitätsferne Pläne entwerfen, um irgendwann in der Zukunft wenigstens eine Winzigkeit durchtrainierter, netter und belesener zu werden.

Apropos klug: In RP Online steht ein kluger Artikel zu Rassismus bei Marken und Waren.

Man handelt rassistisch, wenn man bestimmte Wörter oder visuelle Elemente benutzt.

wird Anatol Stefanowitsch zitiert. Aber:

Es gibt eine massive Ablehnung in Gesellschaft und Medien, eine solche differenzierte Diskussion zu führen.

Tja, TL;DR ist nicht nur ein Modewort.

Was ist denn heute schon noch sicher? SSL-Verschlüsselung! Zwar nicht zu 100%, aber sicher genug, um es dem Lauscher am Netz sehr schwer zu machen. Dieser Blog verwendet sein selbst ausgestelltes Zertifikat. Das bedeutet, dass der Transport der Daten zwischen dem Server und Ihrem Browser abhörsicher verschlüsselt ist, nur dass das SSL-Zertifikat nicht gefälscht ist, das müssen Sie einfach glauben. SSL-Zertifikate sind nämlich relativ teuer und die Browser anerkennen Zertifikate von CAcert.org nicht. Dass die Verschlüsselung sicher ist, diesen Fakt können Sie bei Qualys SSL Labs prüfen.

Apropos Fakten: Beim Spiegel klopfen 70 Dokumentationsjournalisten die Artikel vor Veröffentlichung auf Fehler ab. Eine journalistische Ausbildung wird nicht unbedingt voraus gesetzt, die meisten sind Fachleute wie Mediziner, Sinologen, Techniker, Physiker, Juristen oder Historiker. Und es geht keineswegs immer nur um komplizierte Sachverhalte. Zu wissen, dass Basra nicht am Roten Meer liegt, verlangt kein Geographiestudium.

Apropos komplizierte Sachverhalte: Haben Sie sich auch schon mal gefragt, wie das mit den Bitcoins funktioniert? Der deutsche Wikipedia-Artikel zu Bitcoins hilft auch nicht recht weiter. Vielleicht fällt der Groschen Dank dieser Infografik?

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Baggage Flirt

Baggage Flirt

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Der Freitag auf der #Wikimania in London

Am Donnerstag, auf dem Heimweg von der Eröffnungsveranstaltung der Wikimania 2014 ins Hotel unterhielt ich mich auf der Straße mit mehreren Leuten und kam deswegen erst spät ins Bett.

Vortrag: Wie ich einen Artikel für eine andere Enzyklopädie schrieb und wie es im Vergleich zu Wikipedia war

Ich hoffe, die späte Ankunft im Bett gilt als Entschuldigung dafür, dass ich mich nicht an meinen Plan hielt und den ersten Vortrag verpasste. Ich bekam nur noch die letzten zehn Minuten von Amir E. Aharonis Bericht über die Arbeit in einem geschlossenen Wiki mit. Es muss wohl sehr frustrierend gewesen sein, wenn man die Arbeit in der Wikipedia gewöhnt ist. Die Arbeit ging nur langsam voran und man hilft sich nicht untereinander.

Vortrag: Allgemeinwissen? Eine Ethnografie der Wikipedia (über Vertrauen, Misstrauen, Verrat und Treue)

Für mich folgte ein Vortrag von Dariusz Jemielniak. Den kannte ich ja schon vom Vortag aus dem Board Training. Dariusz ist außerordentlicher Professor an der Kozminski University 1 und leitet das Forschungszentrum Organisationen und Arbeitsplätze. Er bediente sich für seinen Vortrag aus den Recherchen zu seinem Buch „Common Knowledge? An Ethnography of Wikipedia„. Insbesondere ging er auf die sogenannte „Essjay Controversy“ ein (Kurzbeschreibung in der deutschsprachigen Wikipedia, ausführliche Beschreibung in der englischsprachigen Wikipedia).

Der Wikipedia-Benutzer mit dem Benutzernamen „Essjay“ gab an, dass er Professor sei und verwendete diese Reputation um öffentlich auf Personen außerhalb der Wikipedia einzuwirken. Essjay hatte abseits der behaupteten Reputation hohe Rechte in der Wikipedia einschließlich des Rechts, Seiten zu löschen und Benutzer zu sperren. Essjay veröffentliche jedoch an anderer Stelle seine tatsächliche Identität: es handelte sich um einen Studenten Anfang zwanzig, der noch keinerlei wissenschaftliche Grade erlangt hatte.

Dariusz ging auf die Lehren aus diesem Fall ein.

  • Eine künstliche Identität in der Wikipedia wird vollständig akzeptiert und stark verteidigt. Jimbo Wales hatte sich zu Anfang der Kontroverse stark für das Recht Essjays auf Anonymität stark gemacht.
  • Das Behaupten von Meriten oder Titeln außerhalb der Wikipedia ist jedoch unzulässig und wird nicht toleriert. Wenn die behaupteten Titel gar zur Einflussnahme außerhalb der Wikipedia eingesetzt werden, wird das Recht auf Anonymität verwirkt.
  • Es wird nur eine künstliche Identität in der Wikipedia toleriert. Sich mehrere Identitäten zuzulegen, um seinen Einfluss zu erhöhen wird unter dem Begriff „Sockenpuppen“ innerhalb der Community streng geahndet.

Es haben sich in der Wikipedia klare Normen für die Erlangung und den Erhalt von Reputation gebildet. Auch die Wechselwirkung mit Reputationen außerhalb der Wikipedia sind bereits genormt.

Funfact: Obgleich der Vortrag brillant war, gehören die Vortragsfolien zum schlechtesten, was mir je untergekommen ist.

Pause

In der Pause sprach ich unter anderem mit dem Programmierer Kolossos. Ein Thema war der Umzug der Wikipedia-Tools von Wikimedia Deutschlands Toolserver auf die Wikimedia Labs der Wikimedia Foundation. Alles im allen lief der Umzug wohl ganz gut. Ein aktuelles Ärgernis ist, dass die Tools alle in einer Umgebung laufen. Wenn ein Tool das System zum Absturz bringt, müssen alle anderen Tools von Hand neu gestartet werden. Das ist insbesondere für Entwickler ärgerlich, die mehrere Tools betreuen.

Vortrag: Foto:Wikipedia

In dieser Session sprach Jonas Öberg über den miserablen Stand der Attribution (dem Nennen des Autors und der Lizenz von Fotos) im Internet und in anderen Medien.

Bildschirmfoto des Mediawiki-Medienbetrachters mit Attributionsdaten. Bildschirmfoto: Sebastian Wallroth, Gemeinfrei
Bildschirmfoto des Mediawiki-Medienbetrachters mit Attributionsdaten. Bildschirmfoto: Sebastian Wallroth, Gemeinfrei

Notizen

  • Verweis auf elog.io, eine Website, die Tools zur Attribution von Medien bereit stellen will
  • Ist die Attribution „Image:Wikipedia“ vielleicht OK? Das wäre doch das Einfachste für den Nachnutzer von Medien?
  • Der derzeit in der Wikipedia Einzug haltende Medienbetrachter bietet die korrekte Attribution an (ist aber noch ausbaufähig)
  • Wie attributiert man Sounds und Videos korrekt?
  • Beim Upload sollten Autor und Lizenz in den EXIF-Daten der Bilder stehen

Vortrag: Wie man nicht ins Gefängnis geht trotzdem weiterhin Fotos aus Wikimedia Commons nutzt

Bildschirmfoto Lizenzverweisgenerator. Foto: Sebastian Wallroth, Gemeinfrei
Bildschirmfoto Lizenzverweisgenerator. Foto: Sebastian Wallroth, Gemeinfrei

Mathias Schindler, Mitarbeiter in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland, gab in diesem überaus stark besuchten Vortrag eine Einführung in das Thema „Rechtlich sichere Nachnutzung von Bildern aus Wikimedia Commons“ und stellte dann ein Tool vor, dass zumindest für das Rechtsgebiet Deutschland hohe Sicherheit bietet.

Notizen

  • 2012 gab es in Deutschland 21 Gefängnisstrafen wegen Copyrightverletzungen
  • Urheberrecht ist also nicht nur Zivilrecht, sondern auch Strafrecht!
  • Was ist das beste Versteck der Welt? – Ein Endbenutzer-Lizenzvertrag (engl. Abk. EULA)
  • Die Firma PC Pitstop hatte in der EULA eines seiner Produkte einen Abschnitt, in dem eine Geldprämie ausgelobt wurde, wenn man sich auf diesen Abschnitt bezog und an eine bestimmte E-Mail-Adresse schrieb. Erst nachdem 3.000 Lizenzen verkauft waren meldete sich ein Englischlehrer und erhielt 1.000$.
  • Wikimedia Deutschland hat zusammen mit Rechtsanwälten den Lizenzverweisgenerator entwickelt. (Große Heiterkeit im Publikum über diesen lustigen deutschen Namen.) Der Lizvergen (Eigenschöpfung des Autoren) nimmt URLs von in der Wikipedia verwendeten oder von Wikimedia Commons stammenden Bildern entgegen und erzeugt einen rechtlich einwandfreien Attributionstext.
  • Etwas Ähnliches leistet das Stockphoto Gadget, allerdings weniger ausgefeilt und nicht auf die deutsche Rechtslage spezialisiert
  • Der Lizenzverweisgenerator steht unter einer Freien Lizenz und sein Quellcode steht zur Verfügung

Vortrag: Verrückte Urheberrechtsstreitfälle, die die Community-Kreativität behindern

Yana Welinder und Michelle Paulson (beide Mitarbeiter der Rechtsabteilung der WMF) stellten Beispiele aus der Arbeit der Rechtsabteilung der Wikimedia Foundation vor. Es handelte sich zumeist um Beispiele aus dem Rechtsgebiet USA, da die Foundation erfolgreich darauf abstellt, dass Server und Projekt in den USA beheimatet sind.

Pause

Die Konferenzveranstalter haben sich ganz liebreizend um das Rahmenprogramm gekümmert. Es gab wundervolle Livemusik von Klassik bis Pop in den Pausen.

Vortrag: Jenseits von Diskussionsseiten: Unterstützung der Zusammenarbeit mit Flow

Die Wikimedia Foundation-Mitarbeiter Quiddity (Community Management), EBernhardson (Programmierung) und MGalloway (Design) stellten den Stand des Tools Flow vor, dass die Diskussionskultur in den Wikimedia-Projekten revolutionieren soll.

[gview file=“http://real68er.de/wp-content/uploads/2014/08/Wikimania-Flow-presentation.pdf“]

Die Herangehensweise im Vortrag war, dass die gegenwärtige Situation beleuchtet und Anwender und Anwendungsszenarien herausgearbeitet wurden, um damit die Entscheidungen bei der Entwicklung von Flow begründen.

Gegenwärtige Situation

  • Wo in einem Diskussionsstrang fange ich an zu schreiben?
  • Wo antworte ich?
  • Neulingsfrage: Was hat es mit den Doppelpunkten auf sich? :::#::::::
  • Neulingsfrage: Wie füge ich eine Signatur ein?
  • Wie beobachte ich Diskussionen effizient?
  • Wie, außer mit Diffs kann ich neue Diskussionsbeiträge heraus filtern?

Anwendungsfälle

  • Diskussion zu einem Artikel
  • Diskussion zu einem Benutzer
  • Mentorschaft
  • Diskussionen auf Hilfeseiten
  • Hinweise und Warnungen
  • Diskussionen zu Vorlagen und Kategorien
  • Checklisten
  • Abstimmungen

Danach wurde der gegenwärtige Stand der Entwicklung von Flow vorgeführt.

Sichtbare Auswirkung ist die Funktion „Hinweise“, die in den Wikipedias rechts oben Einzug gehalten hat und die ich für sehr praktisch erachte.

Was als nächstes kommen wird ist eine Art „Topic“-Funktion auf den Diskussionsseiten. Auf den Diskussionsseiten gibt es jetzt schon den Link „Abschnitt hinzufügen“. In Zukunft wird so ein Abschnitt eine eigene Entität, auf die man verlinken, die man moderieren, datieren, sortieren, markieren, ein- und ausblenden usw. kann. Das kann man bereits ausprobieren, das ist dokumentiert und Feedback ist erbeten.

Bei der Topic-Funktion frage ich mich, warum man sich nicht einfach Forum-Tools als Vorbild nimmt. Wird hier das Rad neu erfunden?

Vortrag: Messung der Community-Vitalität: Lebenszeichen der Wikimedia-Projekte

Aaron Halfaker, Forscher bei der Wikimedia Foundation stellte ein Projekt vor, in dem standardisierte Werte für die Messung der Nutzerbeteiligung in Wikimedia Projekten gefunden werden sollen.

[gview file=“http://real68er.de/wp-content/uploads/2014/08/Metrics_Standardization_-_Wikimedia_Research__Data_showcase_-_March_2014.pdf“]

Ich hatte zuvor eine starke Meinung zu dem Thema („Das geht doch gar nicht“). Aaron hat es jedoch geschafft, mich zum Umdenken zu bewegen. Es geht nicht um einen Indikator, der die Qualität eines Wikipedianers über alle Aufgaben hinweg darstellt. Aber die Qualität der Arbeit an Teilaufgaben, wie dem Hochladen von Bildern, der Diskussionskultur oder der Artikelqualität könnten sich durchaus angemessen ausgewogen darstellen lassen. Als mögliches Vorbild nannte Aaron die Scorecard auf Google Scholar.

Außerdem ließen sich mit entsprechenden Daten Fragen beantworten, wie:

Werden neu registrierte Benutzer in der deutschsprachigen und der niederländischsprachigen Wikipedia eher zu aktiven Autoren als in der englischsprachigen?

Bedeutet es mehr Aufwand inaktive Autoren zu aktivieren als neu angemeldete Benutzer zu aktiven Autoren zu machen?

Mit den mit Daten unterlegten Antworten ließen sich die Projekte der Wikimedia Bewegung nachvollziehbarer und aussichtsreicher planen.

Bildschirmfoto von Dash. Foto: Sebastian Wallroth, gemeinfrei
Bildschirmfoto von Dash. Foto: Sebastian Wallroth, gemeinfrei

Zum Schluss zeigte er den Prototypen des Auswertungstools Dash.

Vortrag: Interface Vision

Jared Zimmerman zeigte in einem inspirierenden Vortrag seine Vision zur Oberfläche der Wikipedia. Er zeigte unter anderem, wie ein A-B-Test funktioniert und wischte mit dem Bild eines dieser Zeit fressenden Nebenbeispiele das Argument beiseite, „man hätte keine Zeit für Freies Wissen zu arbeiten“.

Vortrag: Das Athena-Projekt: Wo stehen wir?

Brandon Harris präsentierte unterhaltsam den gegenwärtigen Stand des Projektes zur Modernisierung der Oberfläche der Wikipedia, dass auf der Wikimania 2012 vorgestellt worden war.

Guckst und klickst Du hier.

 

Notes:

  1. Link zur englischen Wikipedia, da der Artikel in der deutschen Wikipedia total veraltet ist. Oh, wie es mich in den Fingern juckt, diesen Artikel zu überarbeiten, aber jetzt schreibe ich erst mal diesen Bericht hier
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Jimbo Wales inspiring #wikimania2014 closing talk in one GIF

Jimmy Wales' closing talk at Wikimania 2014 in London. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-SA-4.0
Jimmy Wales‘ closing talk at Wikimania 2014 in London. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-SA-4.0
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Bericht aus London #wikimania2014

Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung der Wikimania 2014 in London. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-SA-3.0
Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung der Wikimania 2014 in London. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-SA-3.0

Zwei randvolle Tage Wikimania liegen hinter mir, zwei weitere folgen. Hier ein Zwischenbericht.

Donnerstag Abend bin ich in London angekommen und fand meinen Weg zum Hotel Dank der Beschreibung auf Website der Wikimania ganz gut: Mit den Gatwick-Express zu Victoria-Station, dann mit der blauen U-Bahn nordwärts, umsteigen und dann mit der schwarzen U-Bahn südwärts. Die Station Old Street hat vier Ausgänge – ich nahm den, an dem „Barbican“ stand, denn „Barbican“ (deutsch Barbakane – ein dem Tor einer Burg oder Stadtmauer vorgelagertes Verteidigungswerk) ist Bestandteil des Namens des Hotels „Thistle City Barbican Hotel“ , wie des Veranstaltungsortes „Barbican Centre„. Laut Beschreibung sollte von der Old Street rechts abbiegen und käme dann mehr oder weniger geradezu zum Hotel. Aber in welche Richtung sollte ich der Old Street folgen? Ich hatte zudem keinen Internetzugang mit meinem Handy – so konnte ich die Kartenfunktion nicht nutzen. An einer Bushaltestelle sah ich einen Umgehungsplan. Leider umfasste dieser nicht die Straße, an der das Hotel liegt. Ein freundliches Gespräch mit zwei Dresdner Touristen verhalf mit zu dem Hinweis, dass eine Straßenecke weiter eine Telefonzelle sei, an der es kostenloses WLAN gäbe.

Ein Blick auf die Karte und ich hatte meine Marschroute. Die Veranstalter hatten ein gutes Händchen bei der Wahl der Location. Alles findet in der City of London statt, dem historischen Zentrum der Stadt. Ein lebendiges, geschäftiges Viertel, in dem Angestellte, Bewohner und Touristen herumquirlen. Am Wegesrand gibt es pittoreske mittelalterliche Kirchen, ein- bis zweistöckige, mehrhundertjährige Gebäude, kleine Parks, aber auch Plattenbauhochbauten. In den Sichtachsen grüßen Landmarken wie St Paul’s Cathedral und The Shard. Auffällig ist die Allgegenwart von eisernen Zäunen. Das Hotel ist gut; vor dem Eingang stand eine große Gruppe Wikimedianer und schnatterte, dass man es drei Straßen weit hörte.

Den Freitagmorgen startete ich mit einem Full English Breakfast.

Board Training Workshop

Dann nahm ich von 9:00 bis 18:00 an einem Trainingsworkshop für Vorstands- bzw. Präsidiumsmitglieder 1 von Wikimedia-Chaptern teil.

Development House, London. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-SA-3.0
Development House, London. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-SA-3.0

Der Workshop fand in einem Besprechungsraum im Tiefgeschoss des Development House statt, in dessen vierter Etage das britische Wikimedia-Chapter sein Büro hat.

An meinem Vierer-Tisch saßen Vertreter aus Finnland, Polen, der Schweiz und Italien an anderen Tisch welche aus der Ukraine, Israel, Österreich, Australien, Indonesien und so weiter. Der erste Teil des Workshops wurde von Mike Hudson von Compass Partnership bestritten, die Wikimedia UK durch Beratung zu mehr Professionalität verholfen hatten.

Themen (Auszug)

Die wiederkehrenden Stufen der Entwicklung eines Präsidiums

  • Gründungsphase
  • Frühes Wachstum
  • Anstellung von Mitarbeitern
  • Reifende Organisation
  • Erwachsene Phase

mit jeweils Phasen der Unsicherheit dazwischen.

Die zehn wichtigsten Rollen des Präsidiums

  1. Vision, Mission und Werte definieren und anpassen
  2. Strategie entwickeln und Erfolg messen
  3. Richtlinien einführen und überwachen
  4. Finanzielle Basis sichern und überwachen
  5. Rechnungslegung sicherstellen
  6. Geschäftsführer auswählen und unterstützen
  7. Risiken managen
  8. Rechtliche Lage absichern
  9. Lenkungsformen (Governance) einführen und regelmäßig prüfen
  10. Verständnisvolle und weise Entschlüsse fassen

Die Grundlagen einer guten Lenkung durch das Präsidium

  1. Gut als Team arbeiten
  2. Effektivität der Besprechungen sicher stellen
  3. Das notwendige Wissen und die notwendigen Erfahrungen haben
  4. Auf die Strategie fokussieren
  5. Mit Offenheit und Vertrauen agieren

Womit könnte man die Qualität der Arbeit des Präsidiums sicher stellen?

  • Feedback nach Besprechungen
  • Bewertung des Vorsitzenden
  • Selbstrevision (auch mit externen Beratern)
  • Individuelles Feedback
  • Unabhängige Beurteilung (Governance Review)

Charakteristiken wirklich effektiver Präsidien

  1. die kritischen Funktionen sind kristallklar festgelegt
  2. angemessene Gremiumsstruktur, die die Governance-Arbeit durchführt
  3. Mitglieder, die nach Fähigkeiten und möglichen Beiträgen ausgewählt werden
  4. Extrem gute Zusammenarbeit als Team
  5. stramme Durchführung des Governance-Prozesses
  6. das Präsidium akzeptiert die Strategie und überwacht streng die Umsetzung
  7. Vorsitzender und Geschäftsführer arbeiten partnerschaftlich zusammen
  8. die Arbeit des Präsidiums wird regelmäßig bewertet

Die theoretischen Vorträge wurden durch mehrere praktische Übungen ergänzt.

Den Zweiten Teil bestritt Prof. Dariusz Jemielniak, unter anderem Mitglied des Funds Dissemination Committee (FDC) der Wikimedia Foundation.

Zunächst stellte er die Arbeit des FDC vor. Dieses Freiwilligengremium nimmt die Finanzpläne so unterschiedlicher Organisationen wie der Wikimedia Foundation, von Wikimedia Deutschland oder Wikimedia Israel entgegen, prüft und bespricht sie in einem drei- bis viertägigen Sitzungsmarathon und bestätigt oder kürzt dann die Zuweisung von Spendenmitteln. Dazu gibt es eine knappe Erläuterung für die Antragstellern. Meine skeptischen Fragen zu diesem Prozess wurden mit einiger Aufregung registriert. Ich würde gern mehr darüber wissen.

Dann stellte Dariusz Techniken und deren Anpassungen für die Arbeit eines Präsidiums an der Strategieplanung vor, zum Beispiel die SWOT-Analyse. Des weiteren wurden Beispiele für Firmen und Organisationen besprochen, deren strategische Aufstellung fehlschlug, wie Polaroid oder Kodak.

Der dritte Teil drehte sich um die weit verbreitete Überlastung der Präsidiumsmitglieder und daraus folgende Burnouts. Zuvor hatte es eine Umfrage unter den Teilnehmern gegeben, die folgendes zeigte

  • 1 bis 5 Jahre Gremiumsmitarbeit
  • 2/3 haben Angestellte
  • für die meisten sind die inhaltlichen Anforderungen wie erwartet
  • für viele ist die zeitliche Belastung deutlich höher als erwartet
  • den meisten macht die Arbeit im Gremium Spaß
  • die Gründe dafür sind: Einfluss, Auswirkungen der eigenen Arbeit, die Zusammenarbeit mit talentierten Leuten

Mein Fazit des Workshops

Ich bin auf ein paar Punkte gestoßen, die neu für mich waren, zum Beispiel der Gedanke, dass die Arbeit von Freiwilligen in einem Gremium wie dem Präsidium durchaus gemessen und bewertet werden kann und muss.

Des weiteren verstehe ich jetzt einige Äußerungen von ehemaligen Präsidiumsmitgliedern wie Sebastian Moleski, Alice Wiegand oder Delphine Menard wie auch des Vorstandes Pavel Richter zum Thema Governance. Zuvor fehlte mir theoretische Hintergrund, was ich auch durch Lektüre etlicher Literatur nicht ausgleichen konnte. Sehr schade, dass ich erst jetzt zu diesem Wissen komme – es hätte vieles vereinfacht und manches hätte ich anders entschieden, wenn ich das eher zur Verfügung gehabt hätte. Ich hatte schon länger das Gefühl, dass mir Informationen fehlen, aber die Fragen nach passenden Schulungen wurden ignoriert. Ich werde mich dafür einsetzen, dass künftige Präsidiumsmitglieder ausreichend geschult werden, damit ihre Arbeit dem Verein bestmöglich dienen kann.

Außerdem war es sehr interessant, mit Mitgliedern anderer Boards zu sprechen. Ich hoffe ich konnte einigen die Scheu vor dem vergleichsweise gigantischen Wikimedia Deutschland nehmen.

Eröffnungsveranstaltung

Zur rechten Zeit verließen wir das Tiefgeschoss und lüfteten unsere rauchenden Köpfe bei einem Fußmarsch zum Veranstaltungsort der Wikimania 2014. Das Barbican Centre ist eine gigantische Veranstaltungsort-Maschine aus Stahl und gekratztem Beton aus den 1970er Jahren. Die Queen eröffnete 1982 dieses größte Kultur- und Konferenzzentrum Londons, Sitz des London Symphony Orchestra.

Nach Anmeldung, einem Snack und ein paar dünnen Bierchen öffneten sich die Türen zum großen Saal, den rund 1.600 Wikimediane aus 68 Ländern nahezu füllten.

Es gab zunächst Reden des Veranstaltungsorganisators Edward Saperia (sorry, er kann besser organisieren als reden) und des Geschäftsführers von Wikimedia UK Jon Davies (sympathisch).

Dann kam Jimbo Wales, der die Wikimania-Rituale durchführte (Wer ist zum ersten Mal auf einer Wikimania? – Die überwiegende Mehrheit) und recht knapp programmatisches besprach.

Er ging auf den gegenwärtigen Missbrauch des „Rechts auf vergessen werden“ ein, wie auch auf den Rechtsstreit darum, ob der Besitzer der Kamera, der Affe oder niemand das Urheberrecht an einem Foto hat, dass der Affe von sich selbst gemacht hat.

Stroopwafel selfie. Foto: AlisonW, CC0-1.0 via Wikimedia Commons
Stroopwafel selfie. Foto: AlisonW, CC0-1.0 via Wikimedia Commons

Dann wie er darauf hin, welche Macht die Wikimedia Bewegung inzwischen hat, dass sie diese aber weise einsetzen muss.

Dann hielt die neue Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation Lila Tretikov ihre erste Rede vor versammelter Mannschaft. Der warme Applaus konnte nicht über ein wenig Fremdeln hinwegtäuschen. Das wird schon.

Die begeistert aufgenommene Keynote hielt Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International.

Dieser anstrengende, aber sehr befriedigende und anregende Tag klang mit den Bläsersätzen einer mitreißenden Band aus, die „traditionelle englische Musik“ spielte, also Rolling Stones, Elton John, Electric Light Orchestra und so.

Notes:

  1. Nur bei Wikimedia Deutschland heißt der Vorstand „Präsidium“. Die englische Bezeichnung lautet „board“. Ich werde im Folgenden „Präsidium“ verwenden