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Wikipedia muss endlich im Web 2.0 ankommen

Es kann doch nicht so schwer sein. Warum muss ich mir einen extra Account anlegen? Warum kann ich nicht mein Login von Yahoo, Google, Facebook, irgendeiner OpenID oder Twitter benutzen? Warum muss ich Tabellen mühevoll „programmieren„? Warum werden mit interne Links nicht vorgeschlagen?

Liegt es daran, dass die Software von Freiwilligen nach deren Vorlieben entwickelt wird? Muss das denn sein? Die Software sollte frei sein, aber sie muss doch nicht von Freiwilligen erstellt werden. OpenOffice.org zum Beispiel beruht auf einem von bezahlten Programmierern geschaffenen Produkt. Das kann man doch auch mit der MediaWiki-Software machen.

Natürlich muss es „abwärtskompatibel“ sein. Das heißt, Autoren, die seit zehn Jahren zu Wikipedia beitragen, sollte ihr gewohntes Werkzeug nicht aus der Hand genommen werden. Aber es gibt so viele Möglichkeiten, etwas zu verbessern und der Einstieg ist heutzutage echt schwer.

Die Wikimedia Foundation sollte das Produktmanagement für die Software an sich ziehen und große Teile überarbeiten oder neu entwickeln lassen. Auch ein Wechsel von PHP zu C++ oder Java sollte überprüft werden.

Update

Dem Monatsbericht Wikimedia Engineering für Juni 2011 entnehme ich, dass viele meiner Wünsche bereits in Arbeit sind. Gut, dass ich des Englischen mächtig bin.

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Impressionen von der Wikimania 2011 in Haifa, Israel

Am Flughafen Schönefeld wartet das mir von Kollegen und Freunden angekündigte Szenario eines Hochsicherheits-Checkin. Polizeibeamte mit Maschinenpistolen, Notenpulte, an denen Passagiere einzeln Aufstellung nehmen und junge israelische Sicherheitsbeamte, die versuchen, einen nervös zu machen. Was ist das für eine Organisation, die Ihr Flugticket bezahlt hat? Haben Sie unterlagen über Ihre Arbeit in der Wikipedia? Was werden Sie in Israel den ganzen Tag tun? (Zwischendurch läuft der Beamte weg. Ein anderer Beamter vertieft sich in meinen Pass.) Am Nachbarpult ein anderer Wikipedianer, der sich auch wacker schlägt. Später noch mehr bekannte Gesichter aus dem Wikipedia-Umfeld.

Alle meine Fotos von der Wikimania 2012 in Haifa bei Flickr

Im Flugzeug um ich herum eine israelische Schulklasse auf dem Rückweg aus Berlin. Zwei schwarzäugige Mädchen bekichern ihre schwarzweißen Automatenfotos und rezitieren deutsche Sätze „Aussteigen – Links! Alexanderplatz.“ Vor mir ein Warnhinweis: „Beware!“ und ein kleiner Pfeil, der auf eine Art Gitarrenplektrum zeigt. Später geht mir auf, dass das ein Kopf sein soll.

Im Flughafen von Tel Aviv hängt eine gigantische Halbkugel an der Decke, von der Wasser 10 Meter in die Tiefe fällt. In der Vorhalle steht ein Mann mit grauem Zopf, der fröhlich ein Wikimania-Transparent in die Höhe hält. Die Dame neben ihm erläutert mit vor Aufregung zitternder Stimme, wie man nach Haifa kommt. Im Sammeltaxi sitzen freundliche Russische Einwanderer und übersetzen zwischen Fahrer und Wikimania-Teilnehmern. Da sind eine Dame aus Island, Deutsche, Amerikaner, Deutsche, Schweden, Österreicher und natürlich Deutsche. Die Isländerin ist gestern sieben Stunden mit dem Auto nach Reykjavík gefahren und dann nach Berlin geflogen. Heute ging es dann weiter nach Tel Aviv. Am Sammeltaxifenster ziehen staubige Gewächshäuser und gekästelte Siedlungen mit halbfertigen Häusern am Rand vorbei. Hin und wieder sieht man eine Kuh, einen Knast oder einen Steinbruch. Der Israeli an sich fährt den Highway entlang und mindestens eine Beule am Auto.

Das Hotel „Nof“ liegt am oberen Rand des Steilufers zum Mittelmeer, den Haifa hinauf klettert. Die Ausstattung ist gut und es gibt freies WLAN in der Lobby. Das Zimmerfenster eröffnet einen Postkartenblick auf die Bucht von Haifa.

In der Lobby steht Pavel Richter. Er zeigt mir den israelischen Ersttagesbrief anlässlich der Wikimania und weist mich auf Abendveranstaltung hin; in einer Viertelstunde geht der Shuttlebus. Der bremst sich hangabwärts zum Hafen. Auf einer Dachterrasse wehen Wikimania-Flaggen. Party. Die Musik ist ein bisschen zu laut, aber niemand lässt sich von angeregten Gesprächen abhalten. Es gibt Mini-Burger und Riesen-Hotdogs, Softdrinks, Wein, Bier und Eis aus kleinen Becherchen. Ich spreche mit Leuten aus Hong Kong, Indonesien, Vietnam, Japan, Russland, Bremen, England und Brasilien. Man vergleicht seine Aufgaben, Sorgen und Erfolge. Wie ist die Internetabdeckung in Vietnam? Island will ein Chapter gründen. Sehr oft höre ich, dass zu wenig neue Autoren kommen und zu viele alte gehen. Ist das ein globaler Trend? Oder spielen die allen bekannten Zahlen aus der Foundation eine Rolle? 22:00 geht der erste Bus zurück ins Hotel. Ist mir recht; die nächsten Tage werden auch nicht kurz sein. Im Bus halte ich einen tief im Jetlag steckenden Amerikaner mit einer Diskussion vom Einschlafen ab. Wie kann man die mobile Version der Wikipedia erweitern?

Im Hotelfernseher gibt es zehn hebräische Sender, fünf russische, vier englische und einen deutschen: 3sat. Bei mir setzt die Sorge ein, gleich könnte es klopfen und jemand fragt: Schon GEZahlt?

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Ein Wikipedia Admin wechselt die Tonart

Daniel Voelsen schildert in theorieblog.de seine Erfahrungen im Umgang mit Wikipedia-Neulingen.  Der Wikipedia Admin ot, mit dem er zu tun hatte, nutzt die Kommentarfuntion des Blogs, um ihm zu antworten.

Interessant ist, wie sie die Sprache von ot im Laufe der Diskussion grundlegend wandelt.

ot sagt:
28. Oktober 2010 um 08:33

Moin!

Die wikipedia wird tagtäglich von neuen usern “bespamt” mit weblinks und lieraturhinweisen. Um die spreu vom weizen zu trennen gibt es von der community erstellte richtlinien dazu – kann man, nein sollte man sie mal lesen!

(…)

Was will Dmv2109? Will er seinen blog prominent in der wikipedia verlinken (um ein höheres google-ränking zu erreichen?) oder will er freies wissen fördern. Z.B mit diesen artikel (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Professuren_der_politischen_Theorie_im_deutschsprachigen_Raum) in der wikipedia? Diese frage hätte ich gerne beantwortet.

(…)

Zum abschluss noch mal ein link: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Was_Wikipedia_nicht_ist

Wikipedia ist zb. kein weblinkverzeichnis. Gruß ot

 

Nach einem sehr verkopften, verschnörkelten Kommentar fügt „Markus“ ein PPS hinzu und schreibt frech

Ich frage mich immer auch, ob diese teils theoriegeleiteten Diskussion für nicht politiktheoretisch affine Menschen unverständlich wirken.

Daraufhin ändern sich Satzbau, Rechtschreibung, Grammatik und Großschreibung von ot dramatisch.

ot sagt:
29. Oktober 2010 um 08:18

Moin!

@Markus Du schreibst: „PPS. Ich frage mich immer auch, ob diese teils theoriegeleiteten Diskussion für nicht politiktheoretisch affine Menschen unverständlich wirken.“ Da mach dir mal bei mir keine Sorgen. Auch ich habe den Strukturwandel der Öffentlichkeit von Habermas gelesen – und ein wenig mehr über den aktuellen Wandel. Und ja, Politik habe ich auch studiert. Ich habe eher die Befürchtung, dass im Elfenbeinturm die Realität noch nicht so richtig angekommen ist. Meine aktuelle Empfehlung wäre da mal Mauell Castells „communication power“ zu lesen oder von Ian Gilbert: „Why Do I Need A Techer When I’ve Got Google?“ Innerhalb der Wikipedia empfehle ich z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Fossa/Nebel.

Wie auch immer. Zum oberflächlichen Verständnis der Wikipedia an sich ist es leider notwendig mindesten die Sichterrechte (ist gleichzeitig die Stimmberechtigung bei Wahlen oder Meinungsbildern) zu erreichen (60 Tage angemeldet und 200/300 edits – http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Gesichtete_Versionen

(…)

Wikipedia ist ein hochreflexiver Raum in dem der herrschaftsfreie Diskurs gelebt wird (mit dem Nachteil, dass auch Beleidigungen wg. der Anonymität schneller über die Tastatur geht und die Diskussionen unendlich werden [Donauturm]). Zum Bespiel die Regeln zu den hier angesprochen Weblinks. Die interessante Seite ist doch die Diskussionsseite zu den Richtlinien. Sie umfasst von der Menge her das x-fache der eigentlichen Regelseite.

(…)

Da wir ja hier unter Politologen sind. Um die Wikipedia kennen zu lernen und zu verbessern. Streitet bitte nicht mehr über diesen dusseligen Weblink, sondern werdet aktiv. Ich fände es z.B gut, wenn der Artikel über Machiavelli endlich lesenswert würde. Gruß ot

Mir scheint, da ist ot aus dem Modus „Frontschwein“ in den Modus „Mensch“ gewechselt.

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Liste der unabhängigen Bestandteile dessen, was als Wikipedia bezeichnet wird. #wikipedia #wikimedia #mediawiki

Merke: Mediawiki ist die Wiki-Software, die ursprüngliche für die Enzyklopädie Wikipedia entwickelt wurde, Wikimedia ist die Organisation, die ursprünglich zur Unterstützung und Förderung der Enzyklopädie Wikipedia gegründet wurde.

Erste Ursache der Krise

Die gegenwärtige Krise geht meines Erachtens zum einen darauf zurück, dass auch die direkt Beteiligten kaum zwischen den einzelnen Bestandteilen unterscheiden.

  • Der Wikimedia-Verein zur Kollaboration bevorzugt die Mediawiki-Software ein und öffnet sich erst unter dem neuen Vorstand zögerlich Sozialen Netzwerken, Micro-Blogging-Diensten, Video- und Audio-Streams und -Konferenzen.
  • Die Mediawiki-Software wird schon länger für die unterschiedlichsten Zwecke eingesetzt; zum Beispiel für FAQs oder die kollaborative Erstellung von Handbüchern. Trotzdem wird sie von vielen nur als Enzyklopädie-Software gesehen.
  • Der Wikimedia-Verein wird immer wieder fälschlich als Eigentümer der Wikipedia-Enzyklopädie angesehen.

Zweite Ursache der Krise

Zum anderen sehen viele, die sich mit der Wikipedia beschäftigen, welches ungeheure Potenzial in der Möglichkeit der kollektiven Zusammenarbeiten von Tausenden steckt.

Was ist die Wikipedia?

Die Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie.

Was ist die Wikipedia nicht?

Die Wikipedia ist kein Projekt zur Sammlung des Wissens der Welt.

Was ist eine Enzyklopädie?

Unter Enzyklopädie versteht man heute ein enzyklopädisches Lexikon. Ein Lexikon ist ein Nachschlagewerk mit Sachinformationen.

Was ist relevant?

Wissen oder Informationen kennen keine Relevanz. Relevanz entsteht aus dem In-Beziehung-Setzen von Wissen oder Informationen mit einem Projekt. Die Administratoren löschen Artikel in der Wikipedia, weil sie für eine Enzyklopädie irrelevant sind. Darum auch die Distanz zum Beispiel zu Facebook oder Twitter – diese Netzwerke sind für Enzyklopädisten irrelevant.

Ausblick

Vielleicht führt die Trennung von Enzyklopädie, Wiki-Software und Verein und die Etablierung eines Projektes zur Sammlung des Wissens der Welt aus der Krise.

  • Die Community, die die Enzyklopädie aufbaut, sollte sich viel stärker anderen Kollaborations-Werkzeugen öffnen.
  • Der Verein sollte die Förderung freien Wissens in den Vordergrund stellen und die Enzyklopädie als eines unter vielen Projekten kommunizieren. (Zunächst gern auch als primus inter pares)
  • Es wäre spannend, ob man die Inhalte aus der Enzyklopädie und die Inhalte aus den weit verstreuten Spezial-Wikis zusammenführen und daraus eine dauerhaft wachsende umfassende Wissensansammlung schaffen kann. Ideen zur Umsetzung gibt es bereits.

Top 8 der Wörter, die es in der deutschen Wikipedia nur in gelöschten Artikeln gibt

  1. Tümmy
  2. Hallo2
  3. rfdssd
  4. hurenböcke
  5. PENISPENISPENIS
  6. HOMOPENIS
  7. DOOFWIKIPEDIA
  8. Scheissen

Quelle: Christian Thiele in VereinDE-l — Mailingliste des Wikimedia Deutschland e. V.