Wer sind die Gesellen der Gesellschaft für Freies Wissen?

Wikimedia Deutschland ist eine „Gesellschaft für Freies Wissen“. Wer sind die Gesellen?

  • Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle sprechen von sich als „Wikimedia Deutschland“.
  • Die Satzung sagt, die Mitgliederversammlung sei die oberste Instanz von Wikimedia Deutschland.
  • Solange die Mitgliederversammlung nicht tagt, spricht und entscheidet das Präsidium für die Wikimedia Deutschland.
  • Es wird oft von „der Community“ als treibende Kraft der Wikimedia Deutschland gesprochen.

Letzteres oft mit verzweifelt-sarkastischem Unterton – bisher hat Wikimedia Deutschland „die Community“ nicht zu fassen gekriegt.

Als Präsidiumsmitglied bekomme ich regelmäßig die Liste der Mitgliedsanträge vorgelegt, und sehe neugierig bei Xing und Google nach, wer sich uns denn da anschließen möchte. Und entdecke Olympiasieger, Richter, Landtagspolitiker, Wissenschaftler, Lehrer, Schauspieler, Journalisten und so weiter und so fort.

Es gibt sehr viele Ideen für Projekte, die Wikimedia Deutschland umsetzen könnte. Für mich liegt es erstens völlig auf der Hand, die Mitglieder dazu einzuladen. Zweitens sehe ich kein Hindernis, Mitglieder gezielt anzusprechen, wenn es um spezielle Projekte geht. Und drittens sollte gerade neue Mitglieder persönlich willkommen geheißen und zum Mittun eingeladen werden – man soll das Eisen schmieden, solange es heiß ist.

Das trug ich auf einer Besprechung des Präsidiums vor und hörte mit Erstaunen mehrheitliche Ablehnung. Man könne nicht einfach auf Verdacht Mitglieder fragen, ob sie z. B. tatsächlich diese Journalistin/Juristin/Politikerin/Künstlerin seien und nicht Lust hätten, an diesem und jenem Projekt mitzuwirken.

Ich denke: Doch. Genau das muss man tun. Das sind unsere Gesellen.

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Willkommen in Wildbad Kreuth, #Wikimedia Präsidium

Von Berlin bis 500 m vor Wildbad Kreuth sind es nur vier Stunden. Vom Hauptstadtflughafen zum Franz Josef lohnt es sich kaum, Tomatensaft zu ordern. Weiter durch den Winterabend auf der A9 nach Süden. Dann geht es auf leicht verschneitem Weg leicht bergan und die Räder drehen durch. Gepäck wird hin und her geladen. Ich steige aus und laufe los. Hinter mir werden weitere Anläufe unternommen. Es ist dunkel. Pulverschnee stiebt mir in’s Hosenbein. An der Rezeption frage ich nach einem Gepäcktransporteur. Ehe sich alles gefunden hat, kommen die Präsidiumskollegen auch angelaufen. Die Arme lang, auch von meinem Gepäck. Danke!

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Warum ich gegen den Wikipedia-Filter bin

Ich kann die Argumente zu Gunsten der geplanten Inhaltsfilter der Wikimedia Foundation, wie sie zum Beispiel Attila Albert vorbringt, nicht vom der Hand weisen.

Doch ich reduziere mal den Filtermechanismus auf zwei Bestandteile: Zum Einen eine Markierung an Inhalten (Bilder, Texte, Videos etc.) und zum Anderen eine Software, die an Hand der Markierungen die Anzeige die Inhalte im Browser verhindert.

Die Markierung heiße ich als zusätzliche Information zum Inhalt willkommen! (Aha, dieses Bild galt 2011 in Deutschland als Jugendgefährdend. Bitte zeige mir nur Inhalte, die vom Heiligen Stuhl 1543 als gotteslästerlich eingestuft wurden.)

Die Software zur Nichtanzeige auf den Wikimedia-Servern zu installieren, erachte ich jedoch als gefährlich für Freies Wissen. Wenn die Technik einmal installiert ist, könnte die Foundation da nicht von einem US-amerikanischen Gericht gezwungen werden, die versprochene Funktionalität zu garantieren? Werden bestimmte Inhalte gar nicht mehr hochgeladen, weil sie sowieso gefiltert werden und gehen so der Nachwelt verloren? Wie groß ist der Schritt vom Filtern zum Löschen?

Wer die Filter-Funktion haben möchte, soll eine Browser-Erweiterung verwenden. (Es fällt mir schwer, in diesem Zusammenhang von einer „Erweiterung“ zu schreiben.) Oder er soll einen Proxy einsetzen.

Ich kann auch nicht darüber hinweg sehen, dass die Foundation für Freies Wissen gespendetes Geld für die Entwicklung von Filtersoftware ausgibt. Für die Markierung der Inhalte muss man gar kein Geld ausgeben. Die Technologie ist bereits vorhanden.

P.S. Ich würde ja schleunigst eine Markierung „Irrelevant“ einführen. Damit können sich Exklusionisten eine lupenreine Wikipedia anzeigen lassen, während außerhalb deren Fokus das Wissen der Welt gesammelt wird.

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Wikipedia muss endlich im Web 2.0 ankommen

Es kann doch nicht so schwer sein. Warum muss ich mir einen extra Account anlegen? Warum kann ich nicht mein Login von Yahoo, Google, Facebook, irgendeiner OpenID oder Twitter benutzen? Warum muss ich Tabellen mühevoll „programmieren„? Warum werden mit interne Links nicht vorgeschlagen?

Liegt es daran, dass die Software von Freiwilligen nach deren Vorlieben entwickelt wird? Muss das denn sein? Die Software sollte frei sein, aber sie muss doch nicht von Freiwilligen erstellt werden. OpenOffice.org zum Beispiel beruht auf einem von bezahlten Programmierern geschaffenen Produkt. Das kann man doch auch mit der MediaWiki-Software machen.

Natürlich muss es „abwärtskompatibel“ sein. Das heißt, Autoren, die seit zehn Jahren zu Wikipedia beitragen, sollte ihr gewohntes Werkzeug nicht aus der Hand genommen werden. Aber es gibt so viele Möglichkeiten, etwas zu verbessern und der Einstieg ist heutzutage echt schwer.

Die Wikimedia Foundation sollte das Produktmanagement für die Software an sich ziehen und große Teile überarbeiten oder neu entwickeln lassen. Auch ein Wechsel von PHP zu C++ oder Java sollte überprüft werden.

Update

Dem Monatsbericht Wikimedia Engineering für Juni 2011 entnehme ich, dass viele meiner Wünsche bereits in Arbeit sind. Gut, dass ich des Englischen mächtig bin.

Impressionen von der Wikimania 2011 in Haifa, Israel

Am Flughafen Schönefeld wartet das mir von Kollegen und Freunden angekündigte Szenario eines Hochsicherheits-Checkin. Polizeibeamte mit Maschinenpistolen, Notenpulte, an denen Passagiere einzeln Aufstellung nehmen und junge israelische Sicherheitsbeamte, die versuchen, einen nervös zu machen. Was ist das für eine Organisation, die Ihr Flugticket bezahlt hat? Haben Sie unterlagen über Ihre Arbeit in der Wikipedia? Was werden Sie in Israel den ganzen Tag tun? (Zwischendurch läuft der Beamte weg. Ein anderer Beamter vertieft sich in meinen Pass.) Am Nachbarpult ein anderer Wikipedianer, der sich auch wacker schlägt. Später noch mehr bekannte Gesichter aus dem Wikipedia-Umfeld.

Alle meine Fotos von der Wikimania 2012 in Haifa bei Flickr

Im Flugzeug um ich herum eine israelische Schulklasse auf dem Rückweg aus Berlin. Zwei schwarzäugige Mädchen bekichern ihre schwarzweißen Automatenfotos und rezitieren deutsche Sätze „Aussteigen – Links! Alexanderplatz.“ Vor mir ein Warnhinweis: „Beware!“ und ein kleiner Pfeil, der auf eine Art Gitarrenplektrum zeigt. Später geht mir auf, dass das ein Kopf sein soll.

Im Flughafen von Tel Aviv hängt eine gigantische Halbkugel an der Decke, von der Wasser 10 Meter in die Tiefe fällt. In der Vorhalle steht ein Mann mit grauem Zopf, der fröhlich ein Wikimania-Transparent in die Höhe hält. Die Dame neben ihm erläutert mit vor Aufregung zitternder Stimme, wie man nach Haifa kommt. Im Sammeltaxi sitzen freundliche Russische Einwanderer und übersetzen zwischen Fahrer und Wikimania-Teilnehmern. Da sind eine Dame aus Island, Deutsche, Amerikaner, Deutsche, Schweden, Österreicher und natürlich Deutsche. Die Isländerin ist gestern sieben Stunden mit dem Auto nach Reykjavík gefahren und dann nach Berlin geflogen. Heute ging es dann weiter nach Tel Aviv. Am Sammeltaxifenster ziehen staubige Gewächshäuser und gekästelte Siedlungen mit halbfertigen Häusern am Rand vorbei. Hin und wieder sieht man eine Kuh, einen Knast oder einen Steinbruch. Der Israeli an sich fährt den Highway entlang und mindestens eine Beule am Auto.

Das Hotel „Nof“ liegt am oberen Rand des Steilufers zum Mittelmeer, den Haifa hinauf klettert. Die Ausstattung ist gut und es gibt freies WLAN in der Lobby. Das Zimmerfenster eröffnet einen Postkartenblick auf die Bucht von Haifa.

In der Lobby steht Pavel Richter. Er zeigt mir den israelischen Ersttagesbrief anlässlich der Wikimania und weist mich auf Abendveranstaltung hin; in einer Viertelstunde geht der Shuttlebus. Der bremst sich hangabwärts zum Hafen. Auf einer Dachterrasse wehen Wikimania-Flaggen. Party. Die Musik ist ein bisschen zu laut, aber niemand lässt sich von angeregten Gesprächen abhalten. Es gibt Mini-Burger und Riesen-Hotdogs, Softdrinks, Wein, Bier und Eis aus kleinen Becherchen. Ich spreche mit Leuten aus Hong Kong, Indonesien, Vietnam, Japan, Russland, Bremen, England und Brasilien. Man vergleicht seine Aufgaben, Sorgen und Erfolge. Wie ist die Internetabdeckung in Vietnam? Island will ein Chapter gründen. Sehr oft höre ich, dass zu wenig neue Autoren kommen und zu viele alte gehen. Ist das ein globaler Trend? Oder spielen die allen bekannten Zahlen aus der Foundation eine Rolle? 22:00 geht der erste Bus zurück ins Hotel. Ist mir recht; die nächsten Tage werden auch nicht kurz sein. Im Bus halte ich einen tief im Jetlag steckenden Amerikaner mit einer Diskussion vom Einschlafen ab. Wie kann man die mobile Version der Wikipedia erweitern?

Im Hotelfernseher gibt es zehn hebräische Sender, fünf russische, vier englische und einen deutschen: 3sat. Bei mir setzt die Sorge ein, gleich könnte es klopfen und jemand fragt: Schon GEZahlt?