#Wikimania 2015 /​/​Rechtliche Aspekte: Ein Schlachtgemälde

#Wikimania 2015 /​/​Rechtliche Aspekte: Ein Schlachtgemälde

Mexiko-Stadt, 18. Juli 2015

In den Sessions Kriegsberichte von WMF Legal: Verteidigung von Benutzern und Inhalten“ und Was bedeu­tet frei‘ bei Wikimedia?“ erzähl­ten Rechtsexperten der Wikimedia Foundation aus ihrem Arbeitsalltag.

In der erst­ge­nann­ten Session wur­den Beispiele genannt, womit sich die Rechtsabteilung der Wikimedia Foundation aus­ein­an­der­zu­set­zen hat, und wel­che Lösungen sie finden.

Beispiel 1: Es gibt regel­mä­ßig Anfragen von Gerichten, staat­li­chen Stellen und ande­ren nach den per­sön­li­chen Daten von Personen, die die Wikipedia bear­bei­tet haben. Von Januar 2015 bis Juni 2015 gab es 23 sol­cher Anfragen. In kei­nem der Fälle wur­den die Daten herausgegeben.

Beispiel 2: Anfragen nach Änderung oder Löschung von Inhalten. Von Januar 2015 bis Juni 2015 gab es 234 Anfragen, von denen kei­ne pos­ti­tiv beant­wor­tet wurde.

Die Foundation geht mit sol­chen Anfragen sehr trans­pa­rent um, alles wird im Transparenzbericht dar­ge­stellt.

Es gibt aber auch Anfragen, denen nach­ge­kom­men wird. Beispielsweise hat­te jemand das Fotos eines Passes von einem Blog kopiert und bei Wikimedia Commons hoch­ge­la­den, auf dem alle per­sön­li­chen Inhalte des Passinhabers zu sehen waren. Auf Anfrage des Passinhabers wur­de das Bild sofort gelöscht.

Andere Beispiele der Tätigkeit der Rechtsabteilung:

  • Ein Autor kün­dig­te in einem Projektwiki sei­nen Selbstmord an. Die Wikimedia Foundation wand­te sich sofort an die loka­le Polizei. Dem Autoren geht es besser.
  • Ein Administrator der grie­chisch­spra­chi­gen Wikipedia wur­de von einem bekann­ten grie­chi­schen Politiker ver­klagt, da der Wikipedia-Artikel über die­sen Politiker wahr­heits­ge­mä­ße und beleg­te jedoch unbe­que­me Wahrheiten ent­hält. Dieser Fall ist immer noch anhängig.

In der zwei­ten Session prä­sen­tier­ten zwei Foundation-Mitarbeiter Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Dateien-Metadaten-Aufräumaktion. Ziel der Aktion war Datei-Beschreibungsseiten und zuge­hö­ri­ge Vorlagen so abzu­än­dern, dass Multimedia-Dateien sämt­li­cher Wikimedia Wikis ein­heit­li­che maschi­nen­les­ba­re Metadaten auf­wei­sen. Am 18. Juli 2015 wie­sen 1.343.085 von 28.788.823 Dateien kei­ne maschi­nen­les­ba­ren Daten auf.

Hier eine Auswahl der Erkenntnisse, die ich auf­schnap­pen konnte:

  • Die meis­ten Dateien mit eini­gen weni­gen Lizenzvorlagen aus­kom­men. Die gro­ße Menge der Lizenzvorlagen wird von nur weni­gen Dateien genutzt. Die Ergebnisse der Untersuchung ste­hen auf git­hub zur Verfügung.
  • 689 der von der Wikimedia Foundation betrie­be­nen Wikis wei­sen eige­ne Dateiuploads auf. (Manchmal ist das nur eine Datei: Das Logo des Wikis.)
  • Verschachtelte Lizenzkategorien sind meist nicht sinn­voll, da oft die Vererbung von Eigenschaften nicht gege­ben ist. (Außerdem erschwe­ren sie eine Auswertung.)
  • 33 Wikis der Foundation OHNE Wikimedia Commons beinhal­ten 379.820 freie Dateien und 753.085 unfreie Dateien auf. Etwas 85% die­ser frei­en Dateien und etwa 70% die­ser unfrei­en Dateien lie­gen in der eng­lisch­spra­chi­gen Wikipedia.
  • Von den ins­ge­samt mehr als 29.000.000 Dateien lie­gen etwa 26.700.000 auf Wikimedia Commons (das sind etwa 92%) und 860.000 (3%) in der eng­lisch­spra­chi­gen Wikipedia.
  • Die meis­ten Dateien auf Wikimedia Commons sind unpro­ble­ma­tisch, vor allem weil dort Fair Use nicht zuge­las­sen ist. Ausnahmen sind Inhalte, bei denen die Wikimedia Bewegung das Copyright inne hat und Dateien, gleich­zei­tig frei und unfrei lizen­ziert sind (z.B. GFDL 1.2 und CC-BY-NC).

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Sebastian Wallroth administrator