Gewalt an Raul Krauthausen – Was kann man dagegen tun?

Gewalt an Raul Krauthausen – Was kann man dagegen tun?

Foto von Andrevruas, <a href=CC-BY-SA" src="http://real68er.de/wp-content/uploads/2013/06/Especial-150x150.jpg" width="150" height="150">

Foto von Andrevruas, CC-BY-SA

Es gibt Nachrichten, die bre­chen mir das Herz und las­sen mich rat­los zurück.

Ich hat­te am 25. Mai die Ehre Raul Krauthausen, dem Organisator von wheelmap.org, den Zedlerpreis für Freies Wissen zu über­rei­chen. Raul Krauthausen war mir schon vor­her aus den Medien als Organisator von Pfandtastisch Helfen, Sozialhelden und Leidmedien ein Begriff.
Raul Krauthausen hat die soge­nann­te Glasknochkrankheit und ist auf einen Rollstuhl ange­wie­sen. Er ist über­aus freund­lich, kann inter­es­sant erzäh­len und ist ein ange­neh­mer, akti­ver Zuhörer.

Anfang der Woche las ich in sei­nem Blog, dass ihm auf offe­ner Straße von zwei Jugendlichen das Smartphone geraubt wur­de. Sie haben sich ein­fach hin­ten an sei­nen Rollstuhl gestellt, ihm das Smartphone ent­ris­sen und sind davon gelau­fen. Raul Krauthausen hat­te kei­ne Chance sie ein­zu­ho­len oder ihnen gar das Smartphone wie­der abzunehmen.

Und es war bereits das drit­te Mal, dass ihm so etwas pas­siert ist.

Welcher Abgrund von Gemeinheit, Verderbtheit und Schwäche tut sich da auf. In den Kommentaren gibt es aller­lei wohl­mei­nen­de Ratschläge zur Vermeidung der Situation, das Smartphone fest­zu­bin­den und der­glei­chen. Aber das ist doch kei­ne Lösung. In unse­rer Gesellschaft muss es ja wohl mög­lich sein, als offen­sicht­lich kör­per­lich Unterlegener trotz­dem respek­tiert zu wer­den. In der öffent­li­chen Diskussion hält ja immer der Kinderschänder“ als übels­ter Verbrecher her, der sogar in der Gefängnishierarchie² ganz unten steht. Wie wenig davon ent­fernt ist jemand, der einem Rollstuhlfahrer Gewalt antut?

Erstaunlich oft fehlt Sensibilität gegen­über Gewalt gegen Behinderte – ob kör­per­lich oder ver­bal. In dem von mir sonst sehr geschätz­ten Blog Notes of Berlin“, in dem öffent­li­che Mitteilungen aus dem Berliner Stadtbild publi­ziert wer­den, ist mir fol­gen­der Akt der Gewalt auf­ge­fal­len, der nicht in den sonst eher iro­ni­schen Kontaxt passt: unter den hin­ter die Windschutzscheibe geklemm­ten Ausweis zur Ausnahmegenehmigung über Parkerleichterungen für beson­de­re Gruppen schwer­be­hin­der­ter Menschen.“ hat jemand fick dich, zet­tel­pup­pe“ geschmiert. Vermutlich von jeman­dem, der der behin­der­ten Person den Parkplatz neidet.

Nach dem Lesen von Herrn Krauthausens Bericht war mei­ne ers­te Reaktion (für mich unty­pisch) der Gedanke an gewalt­sa­mer Rache. Was wir aber brau­chen ist eine immer wie­der erneu­er­te Diskussion in den Medien, in den Schulen und in der Politik.

² Es will mir frei­lich auch nicht in den Kopf, dass gesell­schaft­lich akzep­tiert ist, dass in unse­ren Gefängnissen das Recht der Stärkeren gel­ten soll – was ja wohl mit Rehabilitation nur schwer in Einklang zu brin­gen ist.

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Sebastian Wallroth administrator