Ironie, Kinder und der schwerere Weg

Ironie, Kinder und der schwerere Weg

Irony. Sebastian Wallroth. Public Domain

Irony. Sebastian Wallroth. Public Domain

Kinder ver­ste­hen Ironie[ref]Ironie (grie­chisch εἰρωνεία eiro­neía, wört­lich Verstellung, Vortäuschung“) → Wikipedia[/​ref] nicht. Bei Kindern setzt das Verständnis für Ironie etwa im Alter von neun Jahren ein und auch nur, wenn man die Ironie einer Bemerkung durch Körpersprache, Intonation oder nach­fol­gen­de Erläuterung herausstellt.

Ironische kul­tu­rel­le Zitate wie zum Beispiel das iro­ni­sche Unterstützen von nega­ti­ven Charakteren aus Filmen oder Büchern wer­den von Kindern als bare Münze genom­men und flie­ßen in deren Weltbild ein. Ich schenk­te einem Kind das Computerspiel Overlord. Die Grafik ist wun­der­schön, es gibt einen Helden, der Gefahren bekämp­fen muss, um sein Reich zu stär­ken. Aber: Die Vorzeichen sind umge­kehrt. In die­sem Spiel ist der Böse die Heldenfigur. Die Gegner sind: Frau Holle, Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, Hobbits und Elfen. Der Held bekommt Punkte, wenn er sei­ne Helfer knech­tet und sei­nen Untertanen Schaden zufügt. Das ist in einem iro­ni­schen Kontext lus­tig. Die Heldenverehrung, die unrea­lis­tisch simp­le Trennung in Gut und Böse wird hin­ter­fragt. Aber wie wirkt das auf ein Kind?

Eine Auswirkung wur­de mir bei einem Spiel offen­bar, dass wir ein paar Monate spä­ter spiel­ten. Ich frag­te den Jungen nach Lieblingsfarbe, Lieblingstier und wel­che Star Wars-Figur er gern wäre. Rot, Drache und ein Sith-Lord. Zur Erläuterung: Sith sind die Verkörperung des Bösen im Star Wars-Universum. Auf mei­ne erschreck­te Frage, war­um er ein böser Ritter sein wol­le ant­wor­te­te der Junge, dass es für die Bösen immer viel leich­ter sei, ihre Ziele zu errei­chen. Das habe er beim Spielen von Overlord gemerkt. Dort kann der Held sich auch gut ver­hal­ten. Aber es ist dann viel schwie­ri­ger, im Spiel Siege zu erzielen.

Jetzt stand ich vor zwei Optionen.

Option A: Kind ver­hau­en. Computerverbot. Internetverbot. Gewaltspielverbot.

Nein. Das ist natür­lich kei­ne Option für mich. Für ande­re scheint es aber eine zu sein, wenn ich den Medien glau­ben kann. Für mich kam nur dies in Frage:

Option B: Ich bestä­ti­ge, dass es oft leich­ter ist, bestimm­te Ziele zu errei­chen, wenn man kei­ne Rücksicht auf ande­re Menschen neh­men muss. Bitte aber zu beden­ken: Sind Dir wirk­lich die ande­ren Menschen egal? Sind Dir dei­ne Ziele wirk­lich wich­ti­ger als ein fried­li­ches Zusammenleben mit den ande­ren Menschen? Bist Du nicht der grö­ße­re Held, wenn Du den schwie­ri­ge­ren Weg nimmst?

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Sebastian Wallroth administrator