An Lärm denken. Dreimal Pustekuchen und eine Gesetzeslücke

An Lärm denken. Dreimal Pustekuchen und eine Gesetzeslücke

Foto: SSG Nicholas Salcido, CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0), via Wikimedia Commons

Foto: SSG Nicholas Salcido, CC-BY2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0), via Wikimedia Commons

Im letz­ten Jahr bin ich in ein Eigentumswohnungshaus gezo­gen, das in Passivhaus-Bauweise errich­tet wurde.

Pustekuchen 1

Ein Versprechen der Architekten war, dass durch die Bauweise ein erhöh­ter Schallschutz gege­ben ist. Dreifach ver­glas­te Fenster bedeu­ten jedoch nicht auto­ma­tisch einen erhöh­ten Schallschutz. Während Schallschutzfenster immer einen posi­ti­ven Effekt auf den Energiehaushalt haben, führt wär­me­däm­men­de Dreifachverglasung nur sel­ten zu erhöh­tem Schallschutz. Es kann sogar ein gegen­tei­li­ger Effekt eintreten.

Pustekuchen 2

Laut Auskunft der Architekten zeigt der Berliner Lärmatlas, dass in unse­rer Nebenstraße kei­ne erhöh­te Lärmbelastung vor­lä­ge. Ein Blick in die­sen Atlas zeigt jedoch, dass die Lärmbelastung nur für Hauptstraßen aus­ge­wie­sen ist.

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Tatsächlich gibt es in unse­rer Straße zu bestimm­ten Zeiten erhöh­ten Verkehr, weil sie von Eingeweihten zur Umfahrung der zuge­stau­ten Hauptstraße ver­wen­det wird und weil vie­le Eltern einer nahe gele­ge­nen Schule ihre Kinder bis zum Schulhoftor fahren.

Die eigent­li­che Lärmbelastung kann in Nebenstraße nur durch eine Lärmmessung ermit­telt wer­den. So etwas kos­tet etwa 700 EUR.

Pustekuchen 3

Gegen Straßenlärm kann man nur schwer vor­ge­hen, da in Deutschland der Autoverkehr als wich­tig für die Gesellschaft ange­se­hen wird. Es ist eine Illusion zu glau­ben, dass man nach dem Einzug in ein neu­es Haus den Straßenverkehr ein­däm­men las­sen könnte.

Und eine Gesetzeslücke

Gegen den Lärm nahe gele­ge­ner Freilichtbühnen, Straßenbahnhöfe und Freibäder kann man als Anwohner selt­sa­mer­wei­se sehr wohl etwas tun. Diese Lärmquellen sind zwar voll­kom­men offen­sicht­lich und tre­ten nicht plötz­lich auf. Durch die ver­ein­fach­te Bauordnung hat das Umweltamt jedoch kei­ne Einspruchsmöglichkeit in der Planungsphase. Darum rücken in Berlin Wohnbebauung und Kindergärten immer näher an öffent­li­che Orte, an denen Lärm kaum zu ver­mei­den ist. Bauherren soll­ten sich von dem schö­nen, unver­bau­ba­ren Blick“ nicht blen­den las­sen: Die Geräuschbelastung kann erheb­lich sein und kann nicht ein­fach so ver­bo­ten wer­den. Entweder man stellt sich auf jah­re­lan­ge, zer­mür­ben­de Rechtsstreitigkeiten ein, sieht ange­mes­se­ne Schallschutzmaßnahmen an sei­nem Haus vor oder sucht sich ein ande­res Bauprojekt.

Über den Autor

Sebastian Wallroth administrator