#Wikimania 2015 /​/​Eröffnungsveranstaltung

#Wikimania 2015 /​/​Eröffnungsveranstaltung

Wikimania 2015 Eröffnungszeremonie

Wikimania 2015 Eröffnungszeremonie

Mexiko-Stadt, 17. Juli 2015

Die tra­di­tio­nel­le fei­er­li­che Eröffnung der Wikimania Konferenz fiel tra­di­tio­nell fei­er­lich aus. Die Konferenz wird immer von Freiwilligen orga­ni­siert und der jewei­li­ge Boss hält eine Rede. Iván Martínez hielt die sei­ne auf spa­nisch und eng­lisch und sehr emo­tio­nal. Allen wur­de gedankt; eine beein­dru­cken­de Zahl Personen aus einer beein­dru­cken­den Zahl Länder nimmt in die­sem Jahr an der Wikimania teil.

Was mit schon im Vorfeld der Konferenz auf­fiel: Das Organisationskomitee kom­mu­ni­ziert vor­wie­gend in Spanisch. Das wur­de mit Stolz bestä­tigt: In die­sem Jahr ist die Wikimania mexi­ka­nisch. Und spricht spanisch!“

Dann Auftritt Lila Tretikov, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation. Erstmal geht es nicht rich­tig los, weil die Folien sich nicht star­ten las­sen; Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales steht auf und fragt, ob Computer-Experten im Publikum sehen. Dann kann Lila doch los­le­gen. Sie zeigt Landschaftsbilder, erzählt von ihrer Kindheit in Moskau und Umgebung, gefolgt von Garten- und Weinanbaufotos. Die Metapher habe ich nicht verstanden.

Sie sieht den Grund für den Erfolg der Wikipedia darin,

  • dass es jedem offen steht dar­in Wissen zu teilen,
  • dass jede Stimme zählt und jeder eine Wirkung hin­ter­las­sen kann
  • und dass alle sich bei der Wissensproduktion vereinen.

Sie berich­tet über das ver­gan­ge­ne Jahr, in dem so vie­le Mitglieder der Wikimedia Bewegung wie mög­lich zur stra­te­gi­schen Ausrichtung befragt wur­den: Listen and Learn – Zuhören und Lernen“. Es wur­den 2.468 Kommentare in 29 Sprachen von 1.295 Leuten aus 86 Ländern aus 40 Projekten ausgewertet.

Es gab erwar­te­te, aber auch uner­war­te­te Schwerpunktsetzungen. Erwartet war unter ande­rem Mobile, Zitate, Bearbeitungswerkzeuge. Erwartet waren auch Beschwerden über die Bürokratie und das all­ge­mei­ne Klima. Eher uner­war­tet war der Wunsch nach Multimediawerkzeugen, ver­bes­ser­ter Benutzerfreundlichkeit, Werkzeuge für Social Sharing und Social Networking.

Dann ging sie auf den Start des neu­en Übersetzungstools ein. Dort patz­te sie oder ihr Zulieferer jedoch. Lila ließ beklat­schen, dass im ers­ten Monat nach dem Start ca. 700 und im zwei­ten Monat ca. 8.100 Artikel über­setzt wur­den. Bei Neustart einer Applikation und vor dem Hintergrund von ca. 12.000.000 Bearbeitungen im Monat ist das noch nicht so der Kracher. 8.100 Übersetzungen sind durch­aus beein­dru­ckend, die Darstellung hat aber Geschmäckle von Schönfärberei.

Dann wies sie auf einen Fakt hin, der mir wie eine Binsenweisheit erscheint, jedoch vie­len unbe­kannt sein muss: Es gibt in den nicht-eng­li­schen Wikipedias Artikel und Inhalte, die nicht in der eng­li­schen Wikipedia zu fin­den sind. Das muss man sich mal auf der Zunge zer­ge­hen las­sen: Es gibt vie­le Autoren der eng­li­schen Wikipedia die glau­ben, dass die eng­li­sche Wikipedia die eigent­li­che Wikipedia sei, die nur noch in die ande­ren Sprachen über­setzt wer­den müs­se. Alte-wei­ße-Männer-Denkweise halt. Ich hof­fe, dass die­se Ansage Lilas Wirkung zeigt und den Anglozentrismus zurück drängt.

Dann noch eine schö­ne Ansage: Be bold. Break your own rules. – Sei mutig. Brich Deine eige­nen Regeln.“ Das lässt hof­fen, dass ein paar alte Zöpfe abge­schnit­ten werden.

https://twitter.com/Alex_Cella/status/622059536262696960

Danach eine Folie mit 2/​3“ und einem ange­bis­se­nen Apfel. Wenn ich es rich­tig ver­stan­den habe, geht es dar­um, dass wir mit den bis­he­ri­gen tech­ni­schen Mitteln nur 1/​3 des Wissens über­haupt abbil­den könnten.

Sie ging noch auf wei­te­re Aspekte ein – ich hof­fe, dass man die Rede bald irgend­wo als Video sehen kann, um die Einzelheiten ver­ste­hen zu kön­nen. Trotz mei­ner okay­en Englischkenntnisse hat­te ich Schwierigkeiten, vie­les zu ver­ste­hen. Ich hät­te wohl ein Erklärvideo gebraucht. 😉

Mal die Vortragskünste bei­sei­te las­send: Ich bin mir nicht sicher, wie ich die­se Rede ein­schät­zen soll. Einige Leute, auf deren Meinung ich etwas gebe ziem­lich begeis­tert sind, hat es mich nicht vom Hocker gehauen.

https://twitter.com/sebaso/status/622058112795590656

Auf der Hausmesse der Wikimedia Foundation sind rich­tung­wei­sen­de Aussagen wich­tig. Die hat es gege­ben. Was fehl­te war die Begeisterung, ein Mitreißen der Freiwilligen. Lila bleibt wohl unse­re küh­le Снегурочка. Nach der Rede gab es Applaus, aber auf­ge­sprun­gen ist nur das Board der Foundation.

Begeisterung kam anschlie­ßend auf, als trach­ten­tra­gen­de Tänzer zu Trompetenschmettern aus der Konserve fröh­lich das Tanzbein schwan­gen. Mexikanische Tänze sind vor allem Beinarbeit, die Damen dür­fen zusätz­lich anmu­tig die Röcke schwin­gen. Das sieht ein­deu­tig ein­fa­cher aus, als es ist, wie die ver­schwitz­ten, aber strah­len­den Gesichter der Tanzenden hin­ter­her bewie­sen. Im Publikum wur­de fröh­lich mit­ge­tanzt. Das war Klasse. ¡Hola México!

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Sebastian Wallroth administrator