Betreutes Gärtnern

Betreutes Gärtnern

Gemüsegärten. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-SA-3.0

Gemüsegärten. Foto: Sebastian Wallroth, CC-BY-SA3.0

Mit den Händen in der Erde wüh­len. Sehen, wie das Essen wächst. Pflanzen unter­schei­den. Das Wunder der Natur erle­ben. – Es gibt vie­le Gründe, aus denen Menschen einen Garten haben wol­len. Ich habe eine Möglichkeit ent­deckt, die nicht mit der vol­len Verantwortung und auch nicht der vol­len Arbeitslast eines Gartens ein­her geht. Die Firma Meine Ernte part­nert mit Gartenbaubetrieben und bie­tet für 179 Euro im Jahr 45 m² Gartenland an.

Meine Parzelle liegt hin­ter Berlin-Wartenberg. Von mei­ner Wohnung sind es dort­hin sie­ben Kilometer mit dem Fahrrad stadt­aus­wärts. Auf einem Feld ist ein gro­ßes Rechteck ein­ge­zäunt. Zwei mal 30 Reihen Pflanzen zie­hen sich ent­lang. Mehrere Hundert Parzellen sind in der Quere mit Schnüren mar­kiert. In der Mitte ein brei­ter Gang, den ich bis fast ganz hin­ten gehen muss, um mei­ne Parzelle zu errei­chen. Je nach Witterung balan­cie­re ich um Schlammpfützen her­um oder ver­su­che nicht zu viel Staub auf­zu­wir­beln. Schon das ist ein Erlebnis: Es gibt Wetter. Mein ein­zi­ger Kontakt mit Wetter fin­det in den 5 Minuten zwi­schen Wohnung und Straßenbahnhaltestelle statt. Oder es wird im Radio über Stürme berich­tet, die in der Stadt gewü­tet haben, ohne das ich etwas bemerkt hät­te. Doch jetzt muss ich dar­auf ach­ten, mich zum Wetter pas­send anzu­zie­hen. In den Furchen hocken die ande­ren Gärtner und ver­su­chen die Spösslinge von Rukola, Salat, Petersilie, Kohlrabi, Blumen, Mangold, Rettich, Buschbohne, Zwiebeln, Radieschen, Koriander, Rote Bete, Spinat, Zuckererbsen, Juli, Dill, Pflücksalat, Wurzelpetersilie, Möhren, Wirsing, Sonnenblumen, Rotkohl, Porree, Zucchini, Kürbis, Landgurke und Kartoffeln von uner­wünsch­ten Pflanzen zu unterscheiden.

Im Zentrum des Grundstücks steht ein Bauwagen, in dem Harken, Hacken, Spaten, Schaufeln, Grubber nd Gießkannen zu Hauf lie­gen. Der Wagen ist mit einer Gasbeleuchtung aus­ge­stat­tet, denn mit­ten auf dem Feld gibt es kei­nen Strom, aber eine Gasflasche kann man zum Bauwagen hin­tra­gen. Links uns rechts ste­hen auf wei­ßen Schildchen die lus­ti­gen Namen, die die Gärtner ihren Parzellen gege­ben haben. Meine heißt Frohe Zukunft“ in Erinnerung an die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft der Stadt, in der ich auf­wuchs. Als Schüler habe ich dort auf Schulausflügen in die Arbeitswelt Gurken und Tomaten geerntet.

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Sebastian Wallroth administrator