Einfache Fahrt von Berlin nach Frankfurt (Oder)

Von Berlin nach Frankfurt (Oder) sind es auf der Autobahn 99 Kilometer. Zunächst heißt es Zähne zusammenbeißen. Da der erste Teil noch keinen Seitenstreifen hat, gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 km/h. Mit 122 km/h auf dem Tacho lässt sich das gut überstehen. Immer mal an einem LKW vorbeiziehen. Noch einer. Noch einer. Unter der Woche gehört die rechte Spur fast ausschließlich den LKWs. Bis auf ein paar Spritsparer. Vermutlich Lehrer aus Nordrhein-Westfalen. Ist aber nur geraten.

Dann: Abwechslung! Eine Baustelle. Jetzt beginnt das Abenteuer. Schön auf die ausgeschilderten 670 km/h herunterbremsen und auf die rechte Spur rüberziehen. Möglichst einen anderen PKW vor sich lassend. Denn direkt hinter einem LKW sieht man ja nichts. Die Straße ist zwar zweispurig aber knapp zu schmal, um an LKWs vorbeizukommen. Einen PKW kann man leicht vor sich locken. Es gibt immer jemanden, der hofft, dass im Baustellenbereich nicht geblitzt wird und sich links an den anderen Fahrzeugen vorbeiquetscht. Bis er zu einem LKW kommt, neben dem es kein Durchkommen gibt. Also lässt man vor sich einen Sicherheitsabstand. Der darf aber nicht zu weit sein, sonst wird er vom Flitzer missachtet. Gerade so, dass ein BMW reinpasst, ohne sofort Funken zu schlagen. Schwupp; ist er vor Dir, und Du kannst dich bei 60 km/h gemütlich zurücklehnen, und das Schauspiel weiter beobachten. Flitzer haben meist ein MOL oder ein LOS im Nummernschild. Und interessant zu lesende Aufkleber.

Aber immer schon ein Auge auf den übrigen Verkehr lassen. Sonst verpasst man das Beste: Die Poznańer! Leicht zu erkennen an größeren deutschen Autos und dem PO im Nummernschild. Po vorne und Po hinten. Kann man fast gleichzeitig sehen, denn Poznańer fahren vermutlich extra über die Oder, um in 60er-Baustellen an den anderen Fahrzeugen vorbeizurasen. Nur dort. Freie Strecke ist langweilig. Vermutlich nehmen sie die erste Abfahrt nach der Baustelle und fahren die Strecke wieder zurück. Ist aber nur geraten. Vielleicht ist auf Radio Maria verkündet worden, Deutsche Krankenhäuser würden für polnische Organspenden exorbitante Summen hergeben? Ist auch nur geraten.

Fürstenwalde zieht vorbei. Einen melancholischen Blick auf die erhaltene Tankstelle aus den Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg im Niemandsland des Seitenstreifens. Dann kann man sich kurz der Illusion von Freiheit hingeben; die Baustelle ist vorbei. Schön das Gaspedal durchtreten – immerhin hat man gerade 45 Kilometer lang Sprit gespart! Wenn jedoch ein Sechsjähriger auf den Rücksitz geschnallt ist, muss man sich jetzt jedoch rechtfertigen. Nicht wegen des schnellen Fahrens – das Verkehrszeichen für das Ende sämtlicher Streckenverbote wurde bereits kommentiert. Nein, man verlässt den Sendebereich von Radio Teddy. Der Autorundfunkempfänger bietet 105’5 Spreeradio als Alternative an – ich wähle Radio Eins. Lautstark wird der Verdacht der Sabotage geäußert. Also rechtfertigen. Nachdrücklich auf die Programmtaste für Radio Teddy drücken. Rauschen. Zurück auf Radio Eins. Und dann auf die Bremse, denn die Strecke wird weiter ausgebaut. Jetzt heißt’s wieder Poznańer gucken!

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