Theo Furball

Kätzchen, Spinnen, Folter und Scheren im Kopf der Wikipedia

Durch eine Umfrage unter Wikipedia-Autoren habe ich erfahren, dass die Foundation vorhat, eine Filterarchitektur auf den Wikipedia-Servern zu installieren. Dazu sollen Medien mit  Schlagworten versehen werden. Anhand der Schlagworte soll jeder Leser einstellen können, welche Medien ihm angezeigt werden.

Alice Wiegand schreibt dazu unter der Überschrift “Wer entscheidet, was ich sehe” in Ihrem Blog:

Es ist vermessen, zu glauben, die Wikipedia, die möglichst viele Bilder liefert, sei die, die auch das meiste Wissen vermittelt.

Da bin ich anderer Meinung. Je mehr Bilder zu unterschiedlichen Themen existieren, um so mehr Wissen kann vermittelt werden.

Theo Furball
Theo Furball von JMacPherson (Flickr: Theo_furball) CC-BY-2.0 ( http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ ), via Wikimedia Commons

Natürlich könnte man die Wikipdia mit Abermillionen Variationen eines Motivs füllen, zum Beispiel mit Katzenfotos. Der Wissensgewinn ginge gegen Null. In der Wikipedia passiert das aber nicht. Es sammeln sich große Mengen von Medien zu allen möglichen Themen an und die Ausschussquote ist relativ gering.

Weiter schreibt Alice:

Und es ist ebenso vermessen, seine eigenen Vorstellungen von dem Verhältnis zwischen Tiefe und Weite von Freiem Wissen auf alle anderen Kulturräume übertragen zu wollen.

Jemand mit Angst vor Spinnen wird unter der Abbildung einer fetten haarigen Spinne im Wikipedia-Artikel über Arachnophobie leiden und so gehindert sein, Informationen aus dem Artikel zu gewinnen, während andere es als Illustration ansehen, die ein Mehr an Wissensgewinn bietet.

Wer entscheidet, für wen die Darstellung von Folter auf einem Gemälde von Hieronymus Bosch als Illustration nicht geeignet ist?

Wie verschlagworte ich das Bild einer Giraffenhalsfrau? Nach meinem Empfinden ist es bizarr und erschreckend. Genau wie die großen Scheiben im Ohrläppchen, die in Berlin-Friedrichshain grassieren. Das geht vielleicht noch anderen so. Aber wer teilt meine Abscheu vor baumelnden Diddl-Mäusen an Damen-Rucksäcken? Ich will einen Filter, damit ich sowas nicht mehr sehen muss!

Es gibt keine einfach Lösung für das komplexe Zusammenspiel von Tradition, Erziehung, Religion, lebendigem Selbstverständnis und Zeitgeist in verschiedenen geografischen Regionen, aus dem das Regelwerk der Tabus entsteht.

Meine Wikipedia soll der Ort sein, an dem alles Wissen der Welt einen Platz hat.

Ja, Leser sollten die Möglichkeit haben, Bilder nicht sehen zu müssen, die sie nicht sehen wollen. Es steht ihnen frei, ihre Browser um Filter zu erweitern.

Aber entschiedenen NEIN zur Installation von Filtern auf den Servern der Wikipedia. Für die Freies Wissen. Gegen Scheren im Kopf.

Ein Gedanke zu „Kätzchen, Spinnen, Folter und Scheren im Kopf der Wikipedia“

  1. Die Filter (das sie kommen steht schon fest) beruhen auf einer Verschlagwortung der Bilder. Ich bin nicht gegen die Schlagworte,

    ich bin gegen die Installation der Filter auf den Servern der Wikipedia. Sobald die Filter-Infrastruktur da ist, ist die Wikipedia dafür verantwortlich, dass sie funktioniert. Und die Politiker und Experten werden auf die Wikipedia losgehen, wenn nicht zuverlässig gefiltert wird.

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